Buchrezension | Irgendwie haben wir zu Hause gerade so eine Phase, in der unsere Töchter (3 und 5) ziemlich viel streiten. Daher freute ich mich, als vor kurzem mein Rezensionsexemplar von Nicola Schmidts Buch „Geschwister als Team“ bei mir eintrudelte, das mir der Kösel Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. In folgendem Blogartikel werde ich euch das Buch näher vorstellen und euch ein paar der hilfreichen Tipps verraten, die Nicola Schmidt bei Geschwisterstreit gibt.

Rollenbilder in Frage stellen

Ein Hauptanliegen von Nicola Schmidt ist es mit ihrem Buch, die Einzigartikeit unserer Kinder zu betonen und damit die üblichen Rollenbilder der „Großen“, des „Nesthäkchens“, des „Mittleren“ oder des Einzelkindes in Frage zu stellen. Am Ende jedes Kapitels erinnert sie unter der Überschrift „Jedes Kind ist anders“ daran, dass jedes unserer Kinder andere Bedürfnisse, ein anderes Temperament und ein anderes Talent mitbringt.

Wir sollten deshalb aufpassen, dass unsere Kinder auch nicht in Rollen gedrängt werden, wie „die große Vernünftige“ oder „der kleine Wüterich“. Wir sollten sie am besten immer bei ihrem Namen nennen statt „Baby“, „Großer“, „Engelchen“ oder „Jammermaus“ zu sagen. Es kann sonst passieren, dass unsere Kinder ihr Leben lang in diesen Rollen feststecken.

Außerdem sollten wir auch immer im Blick behalten, dass unsere Kinder ganz viele verschiedene Qualitäten und Talente haben. Klebe ihnen keine Etiketten auf und sage statt: „Du bist unsere Ordentliche“ lieber: „Jetzt gerade bist du ordentlich. Morgen kann das schon wieder anders sein.“ So lernen Kinder, dass jeder Mensch verschiedene Facetten hat.

Wenn Kinder schon selbst ihre Rollen übernehmen und Dinge sagen wie „Ich bin eben ungeschickt“ oder „faul“, können wir das außerdem gleich relativieren und bestärkend sagen: „Jetzt gerade ist das vielleicht so, aber ich weiß, dass du auch ganz geschickt und fleißig sein kannst.“

Mit unterschiedlichen Talenten und Begabungen umgehen

Jedes Kind bringt seine eigenen Begabungen mit auf diese Welt. Vielleicht haben wir ein Kind, dass besonders toll Klavier spielt. Dann sollten wir jedoch nicht das eher unmusikalische andere Kind dazu überreden, lieber Sport zu machen. Denn dieses Kind kann genauso seine Freude am musizieren haben, wie das erste (vielleicht sogar noch mehr!) auch wenn es keine ganz so große Begabung darin hat. Denn in dem Fall ist die Freude am Tun wichtiger, als die Begabung!

Und falls das begabte Klavierspielerkind irgendwann die Lust daran verliert, sollten wir es auch nicht unter Druck setzen und denken, oder gar sagen, es vergeude sein Talent. Wir sollten unseren Kindern stattdessen lieber beibringen, dass jede Fähigkeit trainiert werden kann, auch wenn ihnen etwas nicht so leicht fällt, wie anderen Familienmitgliedern.

Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass all unsere Kinder wunderbar sind, so wie sie sind, und einen Platz auf dieser Welt haben, der genau zu ihnen passt.“

Nicola Schmidt, Geschwister als Team Seite 157

Kinder nicht vergleichen!

Natürlich sollten wir unsere Kinder nicht vergleichen, wissen wir alle – oder?

Durch die Lektüre des Buches habe ich mich jedoch dabei ertappt, dass ich es doch gelegentlich tat, obwohl ich das immer vermeiden wollte. Natürlich würde ich niemals so offensichtliche Vergleiche aussprechen wie zu meiner Älteren zu sagen: „Du kannst schöner malen, als Fleur“ oder ähnliches.

Aber was ich schon manchmal zu Lavanda gesagt habe, wenn ich genervt war, weil sie sich nicht alleine anziehen wollte: „Oh, schau mal wie schnell sich deine Schwester schon angezogen hat!“ Auch wenn der Satz motivierend gemeint war, schwingt natürlich der Vorwurf mit: „Sie ist kleiner/jünger als du und kann sich trotzdem schon alleine anziehen, im Gegensatz zu dir!“ Dabei weiß ich ganz genau, dass Lavanda es auch schon kann, aber aus irgendeinem Grund eben nicht tun möchte. Und das nervte mich in dem Moment. Trotzdem hilft der Vergleich mit der Schwester hier natürlich keinem weiter und ist verletzend für Lavanda und daher doof.

Ein weiterer Vergleich, der unbewusst schnell mal passiert, ist eine Art versteckter Vergleich. Zu einem Kind sagst du zum Beispiel: „Das hast du aber toll gemacht“, aber zu dem anderen sagst du gar nichts. Wahrscheinlich wird dem anderen Kind in dem Fall auffallen, dass es kein Lob bekommt und es wird traurig darüber sein. Jedes Kind sollte gesehen und wahrgenommen – aber nicht ständig bewertet werden.

Kinder zu vergleichen führt zu Konkurrenz, Neid und Eifersucht. Daher sollten wir es lassen!

Hilfreiche Tipps bei Geschwisterstreit

Gleich zu Beginn des Kapitels über Streit werden wir Eltern beruhigt: Häufiger Streit unter Geschwistern ist total normal und ein wichtiger Lernprozess für sie. Unsere Kinder lernen durch den Streit sich auf Regeln zu einigen, zu teilen oder in schwierigen Situationen Lösungen zu finden. Sie lernen von klein auf Verhandlungen zu führen und Moral und Gerechtigkeitssinn zu entwickeln.

„Wenn Ihre Kinder viele Auseinandersetzungen haben, freuen Sie sich: Je gründlicher sie es üben, desto besser funktioniert es am Ende!“

Nicola Schmidt, Geschwister als Team Seite 109

Puh, das nimmt schon mal den Druck davon, irgendetwas falsch gemacht zu machen, wenn die Kinder viel streiten. Natürlich kann so ein Geschwisterstreit trotzdem ziemlich anstrengend für uns Eltern sein. Und manchmal stellen wir uns auch die Frage: Sollten wir bei Geschwisterstreit überhaupt eingreifen? Die Autorin beantwortet die Frage eindeutig mit: Ja!

Denn sonst gilt in der Familie schnell das Recht des Stärksten und die Kleinen oder Schwächeren ziehen ständig den Kürzeren. Wichtig ist jedoch, wenn wir eingreifen, dass wir nicht als Schiedsrichter auftreten und fragen wer angefangen hat oder wer Schuld ist, sondern helfen Lösungen zu finden. Natürlich ist dieser Weg nicht einfacher als Richter zu sein. Doch wenn wir Frieden erzwingen und die Kinder gewaltsam trennen und Entscheidungen über ihre Köpfe hinaus treffen, dann fühlt sich ein Kind vielleicht am Ende ungerecht behandelt. Und unser Ziel ist doch, dass am Ende alle zufrieden sind.

Wie können wir also sinnvoll bei Geschwisterstreit vermitteln?

Ich gehe im Folgenden auf das im Buch beschriebene Verhalten bei unter 6-jährigen Kindern ein, da dies aktuell uns und vermutlich auch dich als Leserin betrifft.

Nicola Schmidt unterscheidet zwischen Zanken, echtem Streiten und gefährlichem Streiten.

Beim Zanken müssen wir nicht einschreiten. Wenn sich die Kinder nur ein wenig zoffen und schnell wieder einkriegen, lassen wir sie einfach in Ruhe.

Bei echtem Streiten schlägt Nicola Schmidt vier Schritte vor:

  1. Zu aller erst sollten wir gelassen bleiben und die Kinder beruhigen.
  2. Dann sollten wir aufmerksam zuhören, das kann heißen, kleine Kinder weinen sich aus, oder größere Kinder erzählen was los war.
  3. Wir wiederholen und fassen die Worte zusammen.
  4. Dann versuchen wir gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Es geht hierbei jedoch wie schon gesagt nicht um Ursachenforschung oder Schuld. Denn am Ende hilft es uns nicht zu wissen, wer angefangen hat. Wir sollten stattdessen die Werte und Regeln unserer Familie mit den Kindern besprechen. Zum Beispiel, dass nichts kaputt gemacht werden soll oder dass es okay ist, wenn ein Kind alleine spielen möchte. Und dann fragen wir zunächst die Kinder selbst nach Lösungsvorschlägen. Bei kleinen Kindern müssen wir anschließend oft noch helfen, die Lösungen umzusetzen. Manchmal hilft es schon, den Ort zu wechseln oder ein Kind vorübergehend zu einer anderen Aktivität mitzunehmen.

Kinder müssen auch nicht immer gleich behandelt werden, um gerecht zu sein. Denn sie haben ja auch unterschiedliche Bedürfnisse.

Als gefährlichen Streit nennt Nicola Schmidt Aggression oder Mobbing, der die Geschwister oft ihr Leben lang noch verfolgt. Ein Kind kann lange vor sich hin leiden und lernt nicht für sich einzustehen, wenn wir nicht eingreifen. Strafen helfen uns und den Kindern am Ende nicht. Scham bringt uns auch nicht voran, im Gegenteil. Daher ist es wichtig, bei unseren Kindern generell immer von guter Absicht auszugehen und nicht von Boshaftigkeit. Unser höchstes Ziel sollte es immer sein, dass wir am Ende eine Win-win-Situation haben und nicht immer nur das schwächere Kind zu schützen und das Ältere zu tadeln.

Kinder nicht zum Teilen zwingen

Nicola Schmidt ist der Meinung, wir sollten Kinder nicht dazu zwingen, alles zu teilen. Denn dadurch erzeugen wir eine Angst und Konkurrenz. Die Kinder denken, sie müssen sich mit dem Spielen beeilen, die Eltern entscheiden, wer was bekommt und sie müssen versuchen etwas so lange wie möglich zu behalten. Sie fühlen sich ohnmächtig.

Wir können stattdessen das Kind, das etwas vom Geschwisterkind haben will, ermutigen zu fragen, „wann es auch mal darf“. Und dann helfen wir dem Kind zu warten, bis es so weit ist. Das andere Kind lernt so, dass es keinen Druck bekommt, auch wenn der Bruder oder die Schwester schreit oder weint. Es gibt dann oft lieber ab, weil es großzügig sein kann, statt teilen zu müssen.

Wenn es Spielzeug gibt, um das ständig gestritten wird, kann die Lösung sein, das Spielzeug noch einmal anzuschaffen oder es vorerst wegzuräumen und es zu einem anderen Zeitpunkt nochmal damit zu versuchen. Oder ihr vereinbart feste Regeln: Jeden Tag darf ein anderes Kind damit spielen.

Streit vorbeugen – was hilft?

Versuche den Kindern immer einen Schritt voraus zu sein und schon frühzeitig zu erkennen, wann sich ein Streit anbahnt und diesen dann durch kreative Ideen gleich zu vermeiden.

Vielleicht gibt es eine Tageszeit, zu der deine Kinder besonders häufig streiten. Welche ist das? Wie könntest du diese Zeit entspannen? Haben sie dann vielleicht Hunger? Sind sie müde? Stehen sie unter Zeitdruck? Wie kannst du regelmäßige Streitereien in bestimmten Situationen schon im Vorhinein abfangen?

Wichtig ist es auch, jedem Kind seine eigenen Räume zu ermöglichen. Dafür brauchen sie gar nicht unbedingt separate Zimmer, häufig genügen auch eigene Regale oder Schubladen, eigene Freunde oder eigene Aktivitäten, in denen sie einfach mal für sich sein können.

Was findest du sonst noch alles im Buch „Geschwister als Team?“

Ziemlich viel. 😉
Das Buch enthält Gedanken zum idealen Altersabstand von Geschwistern und Tipps dazu, wie du werdenden Geschwistern in verschiedenem Alter vom neuen Baby erzählen kannst. Es gibt außerdem konkrete Ratschläge dazu, wie du mehrere Kinder gemeinsam ins Bett bringen kannst.

Es geht um Geschwister in anderen Kulturen, Geschwisterbeziehungen im Alter und besondere Geschwister wie Mehrlinge, geistig oder körperlich Eingeschränkte, Stillgeborene und Patchworkgeschwister.

Insgesamt ist „Geschwister als Team“ ein sehr umfangreiches, gelungenes Werk, aus dem ich viel Inspiration mitnehmen konnte.

Abschließen möchte ich mit folgendem Zitat:

„Wenn ich Eltern nur einen einzigen Tipp geben sollte wäre es dieser: „Bleiben Sie in Kontakt. Sagen Sie Ihrem Kind mit allem, was Sie tun, aus ganzem Herzen: <Ich bin für dich da.>“

Nicola Schmidt, Geschwister als Team Seite 213

Nicola Schmidt: Geschwister als Team. Ideen für eine starke Familie

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Geschwister als Team – Hilfreiche Tipps bei Geschwisterstreit

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