Montag: Babyschwimmen, Dienstag: PEKiP, Mittwoch: Musikgarten… manche Mütter und Babys haben kaum noch Platz im Terminkalender.
Der gesellschaftliche Druck sein Baby bestmöglich zu fördern und die Tatsache, dass viele Mütter den ganzen Tag allein mit Kind zu Hause sind, lassen Babykurse attraktiv erscheinen. Doch manchmal ist weniger auch mehr.
In diesem Artikel erzähle ich dir, welche eher unbekannte Alternative es zu den üblichen Kursen gibt und worauf du achten solltest, wenn du schon früh mit deinem Kind außer Haus gehen willst.

Pikler-Kletterdreieck

Die ersten Babykurse beginnen, wenn das Kind 4-6 Wochen alt ist. Ein Alter, in dem die wenigsten Babys schon einen festen Rhythmus haben. Es kann also gut sein, dass du das Kind extra zu den Kurszeiten wecken musst. Oder dass es genau dann müde oder hungrig wird, wenn der Kurs beginnt. Vielleicht mag es auch keine Autofahrten und schreit währenddessen.

Dazu kommt, dass du selbst eigentlich noch mitten im Wochenbett steckst. Dein Körper muss sich noch regenerieren, evtl. müssen Geburtsverletzungen heilen, es kann sein, dass du nach einer Anfangsenergie in eine starke Erschöpfungs- und Müdigkeitsphase kommst. Dein Leben wird gerade total auf den Kopf gestellt. Hebammenbegleitung wird nicht umsonst noch bis 8 Wochen nach der Geburt von den Krankenkassen übernommen. Als ersten Kurs empfehle ich daher lieber nach dir zu schauen und ca. 2 Monate nach der Geburt an einem Rückbildungskurs teilzunehmen, wenn du dich wieder fit genug dafür fühlst.

Aber sollte ich mein Kind nicht so früh wie möglich fördern?

In Babykursen werden schon die Kleinsten animiert, bestimmte Bewegungen auszuführen. Häufig wird die Frühförderung dann zur „Kinder-Vergleichs-Plattform“: „Dreht er sich schon? Kann dein’s schon krabbeln?“ usw. Da meistens damit geprahlt wird, was die Kinder schon alles können und weniger darüber gesprochen wird, was die Kinder noch nicht können, fühlen sich viele Mütter verunsichert, und denken vielleicht sogar ihr Kind sei besonders langsam oder gar entwicklungs-verzögert. Das ist schade, denn so halten immer weniger Eltern ihr Kind für kompetent genug, sich selbstständig zu entwickeln.

Doch jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Irgendwann können alle Kinder laufen und es fragt niemand mehr danach, wann sie sich zum ersten Mal gedreht haben.
Gerade Erstlingsmütter haben häufig Angst, etwas falsch zu machen und stehen so ständig unter Druck und in Konkurrenz zu den anderen Müttern.

Vielleicht hast du Sorgen, deinem Baby könnte es langweilig sein, so ganz alleine zu Hause mit dir?

Das ist sicherlich nicht der Fall. Alles was dein Kind in den ersten Monaten braucht, ist die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse (Liebe, Nähe, Bindung, Schlaf, Hunger…). Es entdeckt und lernt in jeder Minute und braucht dafür keine spezielle Animation. Im Gegenteil: Abendliche Schreistunden können damit zu tun haben, dass dein Kind völlig überreizt ist und mehr Ruhe im Alltag braucht.

Aber wie sieht es mit dir aus? Geht es vielleicht darum, dass dir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt?

Dann würde ich dir empfehlen, lieber nach Kursen speziell für Mütter zu schauen, zu denen man aber das Baby mitbringen kann: Gymnastik nach der Rückbildung, Yoga, Laufgruppen mit Kind im Tuch, Kanga oder besuche Stillcafés und Tragetreffs. Siehe hierzu mein Artikel: 10 Tipps, wie du gleichgesinnte Mamas in deiner Umgebung kennenlernen kannst. Falls du bisher also nur im PEKiP warst, um mal rauszukommen, es dich und/oder dein Kind aber eher stresst, dann melde euch gleich mal ab.

Wenn du auf Förderungskurse keine Lust hast, aber trotzdem gerne in eine Eltern-Kind-Gruppe gehen möchtest, dann empfehle ich dir Pikler Spiel- und Entdeckungsräume. Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984) formte ihre pädagogischen Grundsätze im Laufe ihrer jahrzehntelangen Arbeit als Leiterin eines Säuglingsheims in Budapest. Ihre Erkenntnisse scheinen zwar nicht spektakulär, aber zunehmend in Vergessenheit zu geraten: Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo und kann sich am besten entfalten, wenn es wirklich achtsam gesehen und respektiert wird.
Ihre Ratschläge an Eltern lauten daher:

Lass deinem Kind seine Zeit.

Vermittele deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit.

Sei aufmerksam und kommuniziere respektvoll mit deinem Kind.

Im Pikler-Spielraum haben Kinder in gleichaltrigen Gruppen die Möglichkeit sich in einer sicheren Umgebung zu bewegen und zu spielen. Die Aufgabe der Eltern ist es, ihr Kind beim Spiel aufmerksam zu beobachten (und nicht einzugreifen!) und da zu sein, wenn es einen braucht. Das Spielmaterial ist dabei auf das Entwicklungsniveau der Kinder abgestimmt und regt zur Eigenaktivität an. Meist werden Gruppen ab dem Alter von 6 Monaten angeboten. In einigen Spielräumen gehören auch regelmäßige Elternabende oder Austauschrunden dazu.

Wer mehr zum Hintergrund der Pikler-Pädagogik lesen will, dem empfehle ich aus meiner Bücherliste das Buch von Madga Gerber: „Dein Baby zeigt dir den Weg“. Natürlich gibt es auch Bücher von Emmi Pikler selbst, jedoch finde ich die schwerer zu lesen und nicht unbedingt auf den Alltag übertragbar, da sie vor allem ihre Erfahrungen im Säuglingsheim schildern.

Ob es einen Spiel- oder Entdeckungsraum in eurer Umgebung gibt, könnt ihr hier oder hier nachlesen. Da nicht alle Spielräume auf diesen Listen sind, lohnt es sich auch durchaus einfach nach der eigenen Stadt zu googeln.

Fazit

Statt Animation, Förderung und Kaffeklatsch, konzentriere dich lieber auf Erfahrungen, die dich und dein Kind bereichern und einen neuen Blick auf eure Beziehung werfen. Genießt das Zusammensein, statt dass ein stressiger Terminplan zum Alltag wird.

Lass dein Kind einfach sein. Vergleiche nicht. Und sei ehrlich mit dir selbst: schiebe nicht dein Kind als Grund für Dinge vor, bei denen es eigentlich um deine Bedürfnisse geht.

Hast du mit deinem Kind einen Pikler Spielraum besucht? Wie sind deine Erfahrungen? Ich freue mich, über deinen Kommentar.

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Pikler statt PEKiP: Warum ich Pikler Spielräume liebe und Frühförderungskurse meide
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