In den letzten Monaten fragten mich einige Mütter danach, was sie beachten müssten, wenn sie ihre eigene Waldspielgruppe gründen wollten und wie das eigentlich ginge. Der Wunsch, gemeinsam mit anderen Familien Zeit in der Natur zu verbringen, ist bei vielen Mamas und Kindern groß. Doch Kursangebote für Wald- und Wiesenkinder mit Begleitpersonen, gibt es eher wenige. Daher möchte ich dich dazu ermutigen, deine eigene Naturspielgruppe zu starten und teile dir in diesem Artikel sechs Schritte mit, die du nach meiner Erfahrung dafür gehen solltest. Wenn du ausführlichere Informationen und Ideen für deine Waldspielgruppe suchst, schau dir unbedingt mein Praxisbuch an!

1. Finde einen Ort!

Für eine Spielgruppe in der Natur, brauchst du natürlich zuallererst einen geeigneten Ort in der Natur! Wenn du selbst ein tolles Grundstück besitzt, ist die Frage natürlich schnell geklärt. Ansonsten suche dir ein Wald- oder Wiesenstück, einen Garten, Bauernhof oder Park, der sich dafür eignet, von Kindern entdeckt zu werden. Der Ort sollte natürlich auch gut erreichbar sein (im Idealfall auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln) und Parkmöglichkeiten bieten. Überlege dir, ob der Ort auch Unterstellmöglichkeiten für schlechtes Wetter bietet, zum Beispiel plötzliches Gewitter mit Starkregen. Falls es ein Park oder Garten ist: wie sieht es aus mit Toiletten?

Wenn du öffentliche Veranstaltungen im Wald anbietest, informiere dich über das jeweilige Landeswaldgesetz. Es kann sein, dass du dafür eine Genehmigung durch die Forstbehörde brauchst. Wenn du jedoch im kleinen Kreise privat beginnst und ihr auf den ausgeschriebenen Wegen bleibt und euch angemessen verhaltet, sollte das kein Problem sein. Natürlich brauchst du auch für andere private Grundstücke eine Genehmigung für deine Spielgruppe. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sich viele Landbesitzer darüber freuen, wenn du Kindern die Natur nahe bringen möchtest. Dass ihr keine Tiere stört, keinen Müll hinterlasst usw. sollte ja selbstverständlich sein.

2. Finde deine Zielgruppe!

Als nächstes überlege dir, für wen du deine Spielgruppe anbieten möchtest. Ich gehe in diesem Artikel davon aus, dass du eine Spielgruppe für Kinder mit Begleitperson organisieren magst. Denn wenn du die Kinder alleine betreuen würdest, wäre die ganze Sache vermutlich etwas komplizierter (Aufsichtspflicht, Versicherung…) und damit kenne ich mich auch nicht aus.

Jetzt ist also die Frage, wie alt die Kinder in deiner Spielgruppe sein sollen. Das kommt vermutlich darauf an, wie alt auch dein eigenes Kind ist. Die Interesse von 2-jährigen können sich ziemlich von denen 5-jähriger Kinder unterscheiden. Es kann aber auch gut klappen, wenn du flexibel bist. Auch eine Naturspielgruppe für unter 2-jährige Kinder ist möglich! Der Radius, in dem ihr euch bewegt wird dann vermutlich kleiner sein (außer ihr tragt/schiebt sie), aber das macht ja nichts. Nur im Winter stelle ich es mir eher schwierig vor – aber auch nicht unmöglich! 😉

Überlege dir auch, welche Gruppengröße du dir vorstellen kannst. Maximal fünf Kinder? Oder je mehr desto besser?

3. Finde deine Zeit!

Abhängig vom Alter der Kinder wird dann auch dein Zeitplan sein. Für kleinere Kinder reicht vielleicht eine Stunde im Wald, die größeren toben gerne länger. Und je nachdem ob Kindergarten oder nicht, bieten sich Vormittags- oder Nachmittagstermine an. Denke daran, dass es im Winter abends schon früh dunkel wird! 🙂 Und wie oft willst du deine Spielgruppe anbieten? Einmal pro Woche? Oder mehrmals? Erst einmal 10 fixe Termine? Oder möchtest du vielleicht mit 1x im Monat starten? (Dann am besten einen Termin, den man sich gut merken kann, z.B. jeden ersten Samstag im Monat.)

4. Finde dein Konzept!

Bei diesem Schritt solltest du dich fragen, welchen Rahmen deine Spielgruppe haben soll und welche Rolle du dabei erfüllen möchtest. Hiermit meine ich: Willst du die Spielgruppenleiterin sein, die den Rahmen hält, Ideen und ggf. Material mitbringt und Spiele anleitet? Oder möchtest du eine gemeinschaftliche Gruppe, in der sich die Familien mit den Vorbereitungen und der Umsetzung abwechseln (auch dafür findest du vielleicht begeisterte Mitgestalter!)? Oder möchtest du vielleicht eine ganz offene Spielgruppe anbieten, bei der nur der Treffpunkt steht und sich dann einfach frei entwickeln kann, worauf die Kinder und Eltern gerade Lust haben?

Je nachdem wie dein Konzept aussieht, kannst du dir auch überlegen, ob du eine Teilnahmegebühr für deine Natur- oder Waldspielgruppe verlangen möchtest. Beachte jedoch, dass du in dem Fall eine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt anmelden musst. So eine Spielgruppe ist eine tolle Möglichkeit für Mütter, etwas Geld zu verdienen und die eigenen Kinder mitnehmen zu können.

Falls du dich noch nicht bereit oder kompetent genug dafür fühlst, eine Waldspielgruppe zu leiten, kannst du natürlich vorher noch das Zertifikat Waldpädagogik absolvieren oder verschiedene Seminare, Ausbildungen oder sogar Studiengänge zum Thema Natur-, Wald-, und/oder Umweltpädagogik besuchen. Ich würde dir jedoch raten, erst einmal einfach anzufangen, wenn du Lust darauf hast. Dann wirst du merken, ob du wirklich noch mehr Wissen brauchst, und wenn ja welches genau.

Auch bei der Teilnahmegebühr bist du natürlich flexibel. Bezahlen die Teilnehmer einen fixen Beitrag für 5 Termine? Oder gibt es einen Monatsbeitrag? Können sie auch einmalig teilnehmen oder mit flexibler 10er Karte? Bezahlen die Teilnehmer auch, wenn das Kind krank ist und sie dadurch Termine verpassen? Machst du Geschwister-Rabatte? Das steht dir alles frei und du solltest dir vorher gut überlegen, was du anbieten möchtest. Die Höhe der Gebühr hängt natürlich auch davon ab, was du für Ausgaben für die Spielgruppe hast: Materialien, Anfahrtswege, Website, Flyer…? Falls sich deine Gebühr in der Praxis als unpassend erweist, kannst du den Preis ja immer noch anpassen.

5. Überlege dir Spiele und Aktionen!

Diesen Schritt kannst du auslassen, falls du eine offene Gruppe startest, bei der spontan gemeinsam entschieden wird, was unternommen wird. Andernfalls solltest du dir natürlich altersgerechte Ideen für deine Spielgruppe überlegen. Willst du deiner Gruppe vielleicht auch Wissen über die Natur beibringen? Kennst du verschiedene Bäume und Pflanzenarten (wie sieht es mit den giftigen aus!!?), Wildkräuter, die ihr sammeln könntet? Möchtest du Kreisspiele anleiten? Waldhütten und -sofas bauen? Lieder singen und musizieren? Kastanienmännchen basteln? Lagerfeuer machen? Das braucht alles gute Vorbereitung und ggf. auch Material, das du mitbringen musst.

An dieser Stelle etwas Werbung in eigener Sache, mein Buch: „Mit Kindern im Wald durch die Jahreszeiten. Kreative Ideen zum Bauen, Basteln und Spielen für Waldspielgruppen und Familien“ ist da! Mit meinen eigenen Waldspielgruppen habe ich jetzt (teilweise mehrmals) jede Jahreszeit erlebt und daher einen großen Ideenschatz für das ganze Jahr im Wald mit Kindern gesammelt und ich freue mich darüber, dir damit jetzt eine ganz praktische Starthilfe für die Gründung deiner Waldspielgruppe mit auf den Weg geben zu können!

6. Bewerbe deine Naturspielgruppe!

Wenn du dann alle organisatorischen Dinge geplant hast und dir ein Konzept überlegt hast, fehlen natürlich noch die Teilnehmer! Überlege, wo du deine Zielgruppe findest und starte rechtzeitig vor Kursbeginn ein paar Marketing-Aktionen. Diese könnten zum Beispiel sein:

  • Gestalte schöne Aushänge oder lass Flyer drucken
  • Hänge die Zettel/Flyer für deine Spielgruppe an Kindergärten, Geschäften, Bioläden, Parks, Schwarzen Brettern usw. aus
  • Informiere dich, wo du deine Flyer auslegen kannst (Eltern-Kind-Café, Kinderladen, Kindergarten, Hebammenpraxis…)
  • Schalte Anzeigen im lokalen Mitteilungsblatt/Zeitung oder auf Online-Portalen wie ebay Kleinanzeigen
  • Baue dir eine Website (das geht zum Beispiel kostenlos über WordPress, Jimdo und andere Anbieter), für den Anfang reicht eine einfache Seite, auf der alle wichtigen Infos und die Kontaktmöglichkeiten stehen!
  • Poste in regionalen Facebookgruppen
  • Sprich andere Eltern an, die du auf Spielplätzen, in Krabbelgruppen… triffst, informiere Freunde und Freunde von Freunden!
  • Schreibe mir eine Mail, sodass ich deine Einladung über Facebook teilen kann oder setze den Link zu deinen Kursen direkt unter diesem Artikel in die Kommentare. Hier ist dieses mal ausdrücklich Eigenwerbung erwünscht! 🙂

Los geht’s!

Bist du bereit für deine eigene Natur- oder Waldspielgruppe? Ich hoffe, du bist zumindest inspiriert und denkst eine Weile darüber nach. Aber danach solltest du aktiv werden, wenn du gemeinsam mit anderen Familien tolle Stunden in der Natur erleben möchtest! Ich kann nur sagen: Es lohnt sich und ist eine absolute Bereicherung für unser Familienleben! Wenn du noch Fragen hast, melde dich gerne bei mir oder hole dir mein Praxisbuch.

Auf meinem Blog findest du übrigens noch einen schönen Erfahrungsbericht von einer Mutter, die ebenfalls eine Waldspielgruppe gegründet hat und die sagt: Einfach machen! Erfahrungsbericht einer Waldspielgruppenleiterin.

Alles Liebe für dich.
Deine Sophie

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Ja, ich möchte per Mail regelmäßig und kostenlos Impulse für ein bewusstes Familienleben rund um die Themen achtsame Baby- und Kleinkindzeit, Umweltbewusstsein und mehr.

Durch das Absenden des Formulares wird meine E-Mail Adresse an den Newsletter-Software-Anbieter GetResponse zum technischen Versand meines Newsletters übermittelt.

Mein Newsletter erscheint unregelmäßig ca. alle 2-4 Wochen. Die Einwilligung kann jederzeit von dir widerrufen werden. Weitere Informationen hierzu findest du in meiner Datenschutzerklärung.

6 Schritte zur Gründung einer Natur- oder Waldspielgruppe
Markiert in:     

9 Kommentare zu „6 Schritte zur Gründung einer Natur- oder Waldspielgruppe

  • 2019-03-19 um 07:58
    Permalink

    Eine schöne Zusammenfassung – Danke Sophie 🙏. Auch wir haben schon gegründet – in Bonn 😀 und treffen uns immer dienstags von 10 – 12 Uhr am Hindenburgspielplatz (mit angrenzendem Waldstück 😉). Für weitere Infos kontaktiert mich gerne über FB. Ann-Katrin Haubrich

    Antworten
  • 2019-03-29 um 21:21
    Permalink

    Hallo,
    durch Zufall bin ich eben auf deinen Artikel gestossen und freue mich sehr darüber.
    Am Donnerstag startet meine Naturspielgruppe und ich bin schon sehr gespannt. Ich lasse es erstmal offen anlaufen und schau mal, was die Teilnehmer gerne hätten und wie es überhaupt angenommen wird.
    Liebe Grüße aus Süddeutschland
    Katja

    Antworten
    • 2019-03-30 um 20:02
      Permalink

      Toll, liebe Katja! Magst du noch schreiben wann und wo ihr euch trefft, falls jemand das liest und Interesse hat teilzunehmen?
      Grüße Sophie

      Antworten
  • 2019-04-15 um 19:34
    Permalink

    Hallo Sophie,

    ich habe tatsächlich lange darüber nachgedacht etwas in unserer Umgebung anzubieten.
    Nun habe ich die Waldspielgruppe in Jena gestartet und bin gespannt wie sie angenommen wird.

    Hier gibt für Interessierte mehr Infos: https://zweitoechter.de/waldspielgruppe-jena/

    Danke für den Impuls!
    Liebe Grüße,
    Diana

    Antworten
  • 2019-06-06 um 17:13
    Permalink

    Hallo, habe versucht hier eine Waldkrabbelgruppe zu starten. Ging aber leider mangels Teilnehmerzahl unter. Kein Interesse vorhanden. Schade. Werde mich wohl eher mit Schulkinder beschäftigen.

    Antworten
  • 2019-11-20 um 15:13
    Permalink

    Hallo.

    Ich hätte eine Frage zur Gebühr. Ist es nicht so, wenn man Geld „verlangt“, dass man dann ein Gewerbe anmelden muss? Gerne würde ich auch eine Spielgruppe mit Begleitpersonen gründen und Spielmaterial und der gleichen zur Verfügung stellen. Da dabei Kosten für mich entstehen würden, würde ich ein kleines Entgeld dafür nehmen wollen..Also was müsste ich da beachten?
    Vielen Dank

    Antworten
  • 2019-12-09 um 11:00
    Permalink

    Hallo Ihr Lieben!

    Wie schön, Danke für die Tipps! Das hilft mir sehr.
    Ich möchte ab dem Frühjahr eine Waldgruppe in unserem Dorf anbieten. Erstmal als Kurs für ca. 12 Wochen und wenn es gut läuft dann öfter und verschiedene Gruppen. Mit und Ohne Eltern für kleine und größere Kinder. Ich habe eine pädagogische Ausbildung und stehe aber nun vor der großen Frage, wie ich das mit der Abrechnung mache, mit der Haftung /Versicherung. Habt ihr alle ein Gewerbe gegründet oder seid macht ihr das über einen Verein/ VHS/ Träger oder ähnliches ?
    Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen!
    Danke!

    Antworten
    • 2019-12-09 um 18:57
      Permalink

      Liebe Jennifer, ich glaube du musst nicht unbedingt ein Gewerbe anmelden, aber deine selbstständige Tätigkeit eben beim Finanzamt melden.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!