Heute möchte ich mal etwas zum Thema Beikosteinführung loswerden: Immer wieder lese ich die Frage, ob man BLW und Brei eigentlich kombinieren könne. Und ich bin ganz klar der Meinung: Natürlich! Es kommt nur darauf an WIE.

BLW und Brei kombinieren

Was ist Baby-led Weaning (BLW) überhaupt?

Kurz eine Mini-Einführung, falls du den Begriff noch nie gehört hast: Baby-led Weaning bedeutet selbstbestimmte Beikosteinführung von Babys. Der Begriff wurde von den Autoren Gill Rapley und Tracey Murkett geprägt, deren Buch „Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg“* 2013 in Deutschland erschienen ist. Seither gilt diese Methode als neuer Ernährungstrend in der Beikosteinführung. Das Baby wird also nicht mehr nach Plan mit Brei gefüttert, sondern darf selbstständig am Familientisch mitessen und/oder bekommt verschiedenes Fingerfood zur Auswahl. Das Baby bekommt jedoch weiterhin als Hauptnahrungsmittel Muttermilch und bestimmt den Zeitpunkt des Abstillens selbst.

Wie genau man mit Baby-led Weaning startet und worauf es genau ankommt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht weitere erläutern. Bis ich selbst ausführlicher darüber geschrieben habe, empfehle ich dir zum Weiterlesen z.B. den Artikel von Nestling: Beikosteinführung: Fingerfood statt Brei (Baby-Led Weaning).

Auf das WANN und das WIE kommt es an

Allerdings steckt schon in dem gerade verlinkten Artikel in der Überschrift das „entweder… oder…“. Und genau so lese ich es immer wieder: „BLW statt Brei“, „Brei ade! – BLW: Der neue Ernährungstrend“ und so weiter. Fast überall liest es sich so, als ob das eine, das andere kategorisch ausschließt. Und da BLW ja so im Trend liegt, sind dann die Mamas, deren Kinder Brei lieben, total verunsichert und fragen sich: „Was ist denn am Brei so schädlich?“

Doch viel wichtiger als das WAS man dem Kind gibt (Fingerfood oder Brei), finde ich das WANN und das WIE!

Beikostreife

Als erstes ist es wirklich wichtig, darauf zu achten, ob das Baby überhaupt schon beikostreif ist.

Dies ist dann der Fall, wenn es…

  • sehr interessiert an Lebensmitteln ist
  • fähig ist, sich das Essen selbst zum Mund zu führen
  • alleine oder mit wenig Hilfe aufrecht sitzen kann

Die Gefahr beim Breigläschen kaufen ist, dass auf vielen Gläschen steht: Ab 4 oder 5 Monaten, was dazu verleiten könnte, es mit dem füttern schon zu probieren, wenn das Kind eigentlich noch gar nicht bereit dafür ist. In der Regel ist es das nämlich erst mit ca. 6 Monaten.

Achtsames Füttern

Und dann kommt es darauf an, dass du deinem Kind beim Brei füttern respektvoll und achtsam begegnest. Du solltest es aufmerksam beobachten und versuchen, bereits seine kleinsten nonverbalen Signale wahrzunehmen. Das bedeutet insbesondere:

Beobachte, ob dein Baby wirklich bereit dafür ist, Nahrung aufzunehmen. Schiebe ihm nichts in den Mund, wenn es ihn nicht aufmachen will! Auch nicht durch kleine Tricks wie „ein Löffel für die Mama…“ oder den Löffel wie ein Flugzeug anfliegen zu lassen. Die Gefahr beim Breigläschen ist vor allem auch, dass man es ja nur noch kurz leer machen will: „Zwei Löffelchen gehen ja wohl noch rein, oder?“ Nein!

Sei dir auch immer bewusst, dass es BEIkost heißt und dass das Hauptnahrungsmittel für dein Baby immer noch die Muttermilch sein sollte. Es geht also nicht darum, die Stillmahlzeiten zu ersetzen, sondern dein Kind langsam und mit Spaß an andere Lebensmittel heranzuführen.

Wenn dein Baby Hunger hat, dann stille es zuerst und biete ihm anschließend Brei oder Fingerfood zum experimentieren an. Es dauert eine Weile, bis das Baby den Zusammenhang von essen und satt werden verstanden hat, daher werden die ersten Essversuche nur stressig oder unruhig sein, wenn es wirklich hungrig ist.

Was dennoch für BLW spricht

Wichtig finde ich jedoch, und das spricht für BLW, oder die Kombination Brei + BLW, dass dein Kind das Essen schon von Anfang an auch wirklich mit allen Sinnen begreifen kann. Wie sieht es aus (in seiner ursprünglichen Form)? Wie riecht es? Wie fühlt es sich an, die Banane mit den Fingern zu zerquetschen? Wie funktioniert es, sie im Mund zu zerkleinern? usw.

Brei füttern kann natürlich bequem sein, und in jedem Falle ist es nicht so eine Sauerei wie BLW. Bei BLW-Kindern sind Tisch, Kleidung und Fußboden nach den Mahlzeigen regelmäßig nicht wiederzuerkennen (ich spreche aus eigener Erfahrung). 🙂

Doch das sollte für dich kein Grund sein, BLW abzulehnen. Denn die Zeit, die du dadurch sparst, dass du am Ende nicht sauber machen musst, brauchst du beim Brei füttern an anderer Stelle: Du musst beispielsweise ggf. extra kochen oder pürieren und – vor allem – du musst füttern und kannst nicht zur gleichen Zeit essen wie dein Kind.

Fazit

Es gibt also in der Tat einige Gründe, die für BLW sprechen und meine eigenen Kinder sind ebenfalls mit BLW groß geworden (bzw. die Kleine ist noch mitten drin). Jedoch ist auch eine Kombination von BLW mit Brei aus meiner Sicht gut möglich.

Ich plädiere also an dieser Stelle für weniger Dogmatismus und mehr Bauchgefühl, Achtsamkeit, um so den richtigen Weg für dich selbst und deine Kinder zu finden.

Wenn du die Beikostreife und das achtsame Füttern beachtest, und dein Kind gelegentlich mit Freude Brei isst, sehe ich wirklich keinen Grund, der dagegen spricht!

Was sagst du dazu? Und wie macht ihr es? Nur BLW? Nur Brei? Eine Kombination? Ich freue mich, wenn du mir in den Kommentaren von deinen Erfahrungen berichten magst.

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Baby-led Weaning (BLW) und Brei kombinieren? Natürlich geht das!
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3 Kommentare zu „Baby-led Weaning (BLW) und Brei kombinieren? Natürlich geht das!

  • 2018-06-05 um 06:12 Uhr
    Permalink

    Wir haben es so auch gemacht. Unser Beikoststart war mit 6 Monaten. Mein Sohn hat Getreide-Bananenbrei morgens geliebt, mittags und abends hat er einfach bei uns mitgegessen (wir haben unser Essen dann am Tisch gesalzen). Später aß er auch gerne mal einen Fruchtquetschie, aber püriertes Gemüse mochte er nie. Jetzt ist mein Sohn 3 Jahre alt und isst mit Freude fast alles. Ich denke es macht Sinn einfach auszuprobieren was das Kind mag und weiterhin zu stillen bzw. Fläschen zu geben.
    Liebe Grüße Sara

    Antworten
  • 2018-11-26 um 14:04 Uhr
    Permalink

    Liebe Sophie,

    Danke für diesen Beitrag 🙂 Endlich mal jemand, der ebenfalls mit dem Entweder-Oder zum Thema BLW und Brei aufräumt – ich missioniere gerade damit in unserem Bekanntenkreis 😉

    Wir haben bei unserer großen Tochter fast ausschließlich Fingerfood + Stillen „praktiziert“, aber abends hat sie ihren Milchbrei geliebt. Und gerade entdeckt unser Mini mit seinen sechs Monaten morgens das erste Fingerfood, aber auch er mag sehr gerne mittags Brei essen, den ich jetzt allerdings jeden Tag etwas stückiger mache.

    Liebe Grüße!
    Carina

    Antworten

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