Babyzeichensprache, auch Zwergensprache genannt – vielleicht hast du schon davon gehört? Heute folgt ein Einblick in das bindungsorientierte Familienleben von Kristin aus Dresden. Sie erzählt uns von ihren Erfahrungen mit der Babyzeichensprache und wie sie überhaupt dazu kam. Kristin hat zwei Sommerkinder aus 2017 und 2014, die beide Namen haben, die man gut laut rufen kann. Das ist gut, weil sie in einem der letzten Häuser am Stadtrand wohnen, direkt gegenüber dem Wald. 😉 Ich wünsche dir viel Freude mit dem Bericht und hoffe, auch ihre Impulse inspirieren dich auf deinem Weg.

Zwergensprache
Das Kind zeigt die Gebärde für „Blume“

Wie wir zur Babyzeichensprache (BabySignLanguage) kamen

Gastartikel |“Ach nein, ihr Kind ist taub, das tut mir aber leid“. Das habe ich nicht nur einmal gehört, wenn ich meinen Sohn (*2014) ein Getränk anbot oder fragte, ob er von der Schnitte noch mehr haben wollte. 

Warum? Weil ich ihn nicht nur verbal fragte, sondern auch meine Hände benutzte und Bewegungen und Zeichen machte. Ja, aber warum das denn wieder, wenn der postnatale Hörtest ohne Befund war? Der Reihe nach: eine Freundin, die durch ihre Expertise (die bestand darin, bereits Mutter zu sein) Ansprechpartnerin für alles war, hatte BSL, also BabySignLanguage mit ihrer Tochter gemacht, man muss schon fast sagen, perfektioniert. Sie erzählte uns davon, wie man Farben und beinahe alle Tiere der Welt durch einfache (naja, so sah es manchmal nicht aus) Zeichen darstellen und sich dadurch das Kind dann selbst schneller erklären und verständlich machen konnte. 

Sabrina, so nennen wir die Muse mal, erzählte eine Geschichte, die uns nachhaltig begeisterte. So sehr, dass wir einen Kurs buchten und nun auch diesen Text schreiben. Dominique, so nennen wir die Tochter, saß am Abendbrottisch und zeigte mit ihren kleinen Händen das Symbol für Möhre. (Es ist eine geballte Faust, die am Mund nach unten geführt wird, wie als ob man eben an einer Möhre abbeißen würde; eigentlich so wie Bugs Bunny.) Kein Geschrei, kein Wutanfall, weil man Appetit auf das Gemüse hat, das sonst immer auf dem Tisch lag, und es nicht mit gesprochenen Worten benennen konnte. Die Erwachsenen an der Tafel standen auf, und konnten den Wunsch erfüllen. Friede, Freude, Möhrenkuchen. Es klingt banal, aber es erledigt viele Frustrationen schon bevor sie auftreten können.

Wir besuchten den ersten Zwergensprache Kurs

Ich habe aus unserem ersten Kurs (Zwergensprache – BABYZEICHENSPRACHE für Kinder von 6 bis 24 Monaten) verhältnismäßig viel mitgenommen. Nicht nur die verschiedenen Zeichen, sondern auch das Kennenlernen einer Community, die darauf Wert legt. Nun waren wir damals in einem hippen Stadtteil einer ostdeutschen Großstadt wohnhaft, konnten uns also eigentlich nicht retten vor Angeboten für die bald-werberelevante Zielgruppe und für die gutzahlenden Eltern aus der Architektur- und Anwaltsszene. Aber das Richtige zu finden zwischen Babyschwimmen, Finkid, Fenkid und Kanga mit Manduca war nicht einfach. Aber in diesem Kurs ging ich völlig auf. Zwar waren wir nicht so diszipliniert, dass wir alle Tiere „zeigten“ oder die Liedchen jederzeit trällerten, dafür war zumindest ich, das muss ich zugeben, viel zu abgelenkt von siehe oben, dem Viertel mit seinen sonstigen Angeboten und den vielen Bekannten, die man in den wenigen Monaten Elternzeit mindestens alle ein- bis hundertmal zum Spazierengehen treffen wollte.

Aber das wenige, was wir taten, hatte Erfolg. Unser Sohn sprach sehr früh sehr gut und hat nun mit seinen fast 6 Jahren immer noch einen ausgeprägt großen Wortschatz. Außerdem – aber hier verschwimmen natürlich die Erinnerungen – war vor allem das Verhältnis zur Brust, zum Stillen (ich habe ihn 2 Jahre gestillt) sehr konfliktfrei, da er mit der Hand das Zeichen für Milch machte, und ich wusste, was er wollte. Aktiv haben wir beim Vorlesen Tiere gebärdet, außerdem oft Lebensmittel wie Brot, Milch, Käse, Apfel. Aber auch die Gebärden für „fertig“ und „mehr“ waren häufig in unserem Alltag. Wir zeigten auch immer die Straßenbahn und Familienmitglieder, aber das fanden wir eher verwirrend.

Zwergensprache
Die Gebärde für „essen“

Die Geschichte mit dem Vogel

Eine Anekdote war noch: wir saßen während des Hausumbaus auf der Baustelle, Opa passte auf den Lütten auf. (Meine Eltern fanden unsere Babyzeichensprache und das Drumherum am Anfang komisch, aber waren dann schnell fasziniert und schreiben der Zeichensprache die gute verbale Verständlichkeit des Nachwuchses zu.) Mein Sohn zeigte plötzlich „Vogel“. Opa sagte, hier sei kein Vogel. Wir wechselten ins Haus und noch immer zeigte mein Sohn das Vogelzeichen – wieder und wieder. Am Ende fand mein Vater, was er meinte. Auf einer Flasche Mate-Tee-Limonade ist oben auf dem Deckel ein Vogel abgebildet. Den meinte er. Mein Papa war baff. Nicht nur, dass er den Vogel gesehen und erkannt hatte, er konnte eben auch drauf zeigen und es „zur Sprache bringen“. Hätte er nur auf die Flasche gezeigt, hätte man ihm zu Trinken angeboten, hätte gefragt, ob er was anderes möchte etc. – Frust wäre vorprogrammiert gewesen.

Unser zweiter Kurs in Babyzeichensprache

Bei meiner Tochter (*2017) besuchte ich einen anderen Kurs, und zwar den mit den Farben und allen Tieren der Erde, den meine „Muse“ besucht hatte (BabySignLanguage). Wieder kam auch ein paar Stunden mein Freund mit, der aber schnell überfordert war von dem Feuerwerk an Gebärden. Dieser Kurs, und nun wurde uns auch klar, warum Dominique so viel gebärden konnte, war eher ein Sprachlehrgang, die Kinder waren mit dabei, störten nicht. Aber der erste Kurs war mehr ein gemeinsames Singen, auf den Knien schaukeln und durch die Gegend hüpfen und zusammen Mais-Ringe schnurpsen.

Beim zweiten Mal fand ich natürlich auch nicht so eine Erfüllung in den Zwischenmenschlichkeiten, hatte ich doch ein festes Netzwerk aus Eltern, Kindern und Leidensgenoss*innen, was Neurodermitis etc. anging, nach dem ich mich beim K1 so sehr sehnte. Auch konnte ich durch meine Undiszipliniertheit natürlich noch weniger Erfolge erzielen. Aber sehr stolz war ich dennoch, als ich – wie immer allzeit dabei, alle Neu-Eltern von BSL zu überzeugen – „Backe, backe Kuchen“ vollständig (!) auf Gebärdensprache zeigen konnte. Ich betone das Zeigen, denn singen kann ich nicht.

Fazit

Kurzum, es ist auf jeden Fall (und das ist ja in Zeiten von „ich kann alles googlen, was ich wissen will“) eine unheimliche Erweiterung dessen, was möglich ist. Ich finde bemerkenswert, was man als nicht mehr ganz so junge Person an „neuer Sprache“ noch behalten kann, was man wirklich nie wieder vergisst. So kann ich auch im Schlaf das Zeichen für „Nilpferd“ aus Kurs 2 oder „Stümpfe anziehen“ aus Kurs 1.

Genauso toll und „eröffnend“ war übrigens meine Erfahrung mit dem Rockzipfel, einem selbstorganisiertem Eltern-Kind-Büro (Eltern-Kind-Büros in Dresden) und der Herangehensweise von „windelfrei“. Mehr dazu in den Links.

Kristin, die gerade winkt 🙂

Hast du die Babyzeichensprache mit deinem Kind auch schon ausprobiert oder nutzt ihr sie regelmäßig? Dann erzähl uns doch gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen!

Buchtipps zum Weiterlesen (Affiliate-Links):

Kelly und Andy Malottke: „Zauberhafte Babyhände – Wie ganzheitliche Kommunikation mit Babyzeichensprache gelingt“ inkl. Bilderwörterbuch mit 99 Babyzeichen (DGS)


Vivian König: „Das große Buch der Babyzeichen: Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen können“

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Babyzeichensprache – andere(s) verstehen |Erzählcafé: Bindungsorientiertes Familienleben Teil 3

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