Im ersten Teil der Artikelserie „Ein Willkommensfest als Alternative zur Taufe“ habe ich beschrieben, welche Idee hinter der Feier steht und konkrete Gestaltungsideen und Buchtipps für das Willkommensfest vorgestellt. In diesem zweiten Teil folgen nun zwei Erfahrungsberichte von Müttern, die mit ihrer Familie bereits so ein Fest für ihre Kinder organisiert haben. Vielen Dank an der Stelle an meine Blogleserinnen Maren und Tanja, dass ihr euch die Zeit genommen habt, eure Eindrücke schriftlich festzuhalten und mir Texte und Fotos zur Verfügung zu stellen.

Namensgebungsfest
Festlich geschmückter Tisch bei der Willkommensfeier von Tanjas Sohn

Erfahrungsbericht von Maren: Ein Namensgebungsfest für unseren Sohn

Letztes Jahr haben wir das Namensgebungsfest für unseren Sohn gefeiert, er war damals 9 Monate alt.
Wir sind vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten. Dies hatte weniger mit dem Ablegen des Glaubens sondern mehr mit der fehlenden Identifikation mit der Institution Kirche zu tun.

Uns ist Natürlichkeit und Naturverbundenheit sehr wichtig. In den letzten Jahren habe ich immer wieder gemerkt, wie sehr wir Menschen mit der Natur verbunden sind. So ist mehr und mehr mein Glaube an Gott der Verbundenheit und der Wertschätzung der Natur gegenüber gewichen. Von daher war sofort klar, dass wir unsere Kinder in einer anderen Weise willkommen heißen und segnen möchten.
Und so sind wir auf die Idee eines Namensgebungsfestes gekommen, welches wir im September letzten Jahres für unseren Sohn gefeiert haben.

Bereits für unsere Tochter hatten wir ein Namensgebungsfest gefeiert und waren davon sehr angetan. Damals waren unsere Familien etwas irritiert darüber, dass wir keine klassische Taufe feiern. Von der anfänglichen Skepsis ist aber am Ende des Namensgebungsfestes nichts mehr zu spüren gewesen. Im Gegenteil, die eingeladene Familie war begeistert und inspiriert zugleich.

Ablauf des Namensgebungsfestes

Das Fest begann für uns schon am Vormittag, als wir die Plazenta zurück zur Mutter Erde gebracht haben. Dafür haben wir einen prächtigen Obstbaum aus unserem Garten ausgewählt und die Plazenta an diesem Baum in die Erde gesetzt. Das war für unsere Tochter (zu dem Zeitpunkt 2,5 Jahre alt) auch ein sehr spannendes Erlebnis und sie konnte dabei mitmachen. Sie hat noch Tage später davon erzählt und ist an den Ort gegangen.

Am Nachmittag kamen unsere Familien dazu. Im Garten, an der Stelle wo wir am morgen die Plazenta geerdet hatten, haben wir uns für die Zeremonie niedergelassen. Wir hatten dort einen Pavillon und Stühle aufgestellt. Ein frischer Blumenstrauß aus dem Garten sowie eine selbst gestaltete Kerze zierten den Tisch, den wir dort aufgestellt hatten.

Namensgebungsfest
Festlich dekorierter Gartentisch beim Namensgebungsfest von Marens Sohn

Mein Mann und ich haben zu Beginn der Zeremonie die Namensbedeutung sowie unsere Wünsche und die Segnung für unseren Sohn übernommen und vorgetragen.

Die liebe Meike hat das Fest mit einer persönlichen Räucherzeremonie begleitet, was das ganze Fest sehr besonders gemacht hat.

Abgerundet wurde das Fest durch gemeinsam gesungene Lieder mit Begleitung auf der Gitarre. Im Anschluss haben wir gemeinsam gegessen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Es war ein sehr schöner Tag, an den wir gern zurück denken. Besonders schön fand ich auch, dass unser Sohn in seiner gewohnten Umgebung willkommen geheißen und gesegnet wurde. Er und wir waren so entspannt und konnten den Tag voll und ganz genießen.

Erfahrungsbericht von Tanja: Eine Willkommensfeier für unseren Sohn

Wir haben eine Willkommensfeier organisiert, als mein Sohn 8,5 Monate alt war. Die Willkommensfeier war für uns eine gute Alternative zur Taufe, da wir nicht mit der Kirche verbandelt sind und so aber trotzdem eine schöne Gelegenheit hatten, unseren Sohn im Kreise der Familie willkommen zu heißen.

Planung und Rahmenbedingungen

Die Planung der Willkommensfeier war mein großes Herzensprojekt. Informiert haben wir uns über Bücher und das Internet und wollten die Feier gern spirituell und schamanisch zelebrieren. Als besondere Inspiration diente uns das Büchlein „Willkommen auf der Erde“ von Jeanne Ruland (Anmerkung von Sophie: Ich habe es in Teil 1 ausführlicher vorgestellt) und einige Internettexte aus dem englischsprachigen Raum zum Thema „Babys Blessing“. Ich hätte auch sehr gerne eine Räucherzeremonie gemacht, aber da mein Partner auch Geschäftspartner einladen wollte, haben wir das dann gelassen. Wir hatten ca. 50 erwachsene Gäste und 11 Kinder eingeladen.

Ein professioneller Redner und Sänger hat durch das Programm geführt und uns mit Gesang und Klavier begleitet. Wir haben uns einmal vorab zum kennenlernen getroffen und über unsere Vorstellungen gesprochen und hatten anschließend noch viel E-Mail Austausch. Den Einleitungstext für unsere Feier habe ich selbst geschrieben und außerdem viele Texte und Lieder für die einzelnen Rituale rausgesucht und ein Programmheftlein gedruckt.

Wir hatten ein Bauernhaus gemietet, mit Catering Service und so gab es vor der Zeremonie einen kleinen Umtrunk an Stehtischen, an denen die Gäste nach und nach ankommen konnten, bis dann die Zeremonie um 14 Uhr im Haus begann.

Zu Beginn hat der Redner ganz klassisch die Gäste begrüßt und willkommen geheißen und kurz den Ablauf des Programms vorgestellt. Dann wurde das erste Lied gemeinsam gesungen.


Grußworte an unseren Sohn

Anschließend folgte der Willkommensgruß von uns Eltern an unseren Sohn. Wir sprachen darüber, was es bedeutet, ein Kind zu bekommen, über die Vorfreude und nach meiner schwierigen Schwangerschaft und auch die Erleichterung und Freude, dass am Ende alles gut gegangen ist.

Zu den Grußworten waren auch die Großeltern und die Uroma mit auf der Bühne, sodass die Ahnenreihe unseres Sohnes sichtbar wurde.

Die Schuhzeremonie

Wir haben dazu eine kleine Schuhzeremonie durchgeführt. Ich hatte Lederpuschen mit seinem Namen besticken lassen und während wir folgenden Spruch sagten, haben mein Partner und ich unserem Sohn jeweils ein Schühchen angezogen:

„Ein Weg, dessen Steine du nicht spürst und den du leichten Fußes beschreiten kannst. Wir wünschen dir einen Weg, der nicht endlos ist, einen Weg, auf dem du ein Ziel vor Augen hast. Ein Ziel, das dich erfüllt. Du erhältst heute von uns je einen Schuh, damit du für deine Lebensreise gut gerüstet bist.“

Die Kerzenzeremonie

Anschließend folgte die Kerzenzeremonie. Es waren viel Kinder dabei, die wir bereits im Vorfeld mit eingeplant haben. So hat zum Beispiel der Neffe von meinem Lebensgefährten einen Kerzenständer vorbereitet und verziert, den er dann nach vorne gebracht hat. Meine Patenkinder haben die Taufkerze/Segenskerze für meinen Sohn mit Wachs verziert und gestaltet und nach vorne gebracht.

Die beiden Großelternpaare unseres Sohnes hatten jeweils eine Kerze, die sie entzündet haben. Anschließend sind mein Partner und ich mit jeweils einer Kerze zu unseren Eltern gegangen und haben unsere Elternkerze bei ihnen entzündet. Mit diesen Kerzen haben wir dann gemeinsam die Lebens/Segenskerze unseres Sohnes entzündet, die dabei von seiner Uroma gehalten wurde.

Im Anschluss wurden die vier Generationen nochmal thematisiert und es gab einen Segensspruch für die Familie und einen Spruch in Bezug auf die Familie für den neuen Erdling, unseren Sohn.

Dann sangen wir gemeinsam das Lied „Mögen Engel dich begleiten“.

Die Patenzeremonie

Wie bei einer Taufe sollte es auch bei uns Paten geben. Wir haben vier Paten ausgesucht, für jede Himmelsrichtung einen und ein Patenpaar für das Zentrum, das sind meine Schwester und ihr Lebensgefährte. Diese sollen auch für unserer Sohn da sein, falls uns Eltern mal etwas passiert.

Zur Vorbereitung für die Patenzeremonie wurde den Paten schon ihre jeweilige Himmelsrichtung genannt mit der Aufgabe, sich für die Qualität der Himmelsrichtung etwas zu überlegen. Jede Himmelsrichtung steht in Verbindung mit einem der vier Elemente. Leider sind zwei der Paten kurzfristig wieder abgesprungen.

Als Einleitung gab es folgende Worte: „Eine Patenschaft bedeutet, eine spirituelle Begleitung auf dem Lebensweg. Ein leitendes, führendes Band, das dem kleinen Erdenbürger hilft, seinen Glauben an sich und die Dinge, die da kommen mögen, zu finden und zu stärken.“

Anschließend wurden die Paten einzeln gefragt: „„Bist du… bereit die Patenschaft von … von Herz zu Herz, von Seele zu Seele von Geist zu Geist und von Liebe zu Liebe zu übernehmen? So antworte mit „Ja, ich bin bereit.““

Für das Patenpärchen war der Spruch ein bisschen abgewandelt: „seid ihr… bereit, für ihn da zu sein und ihm beizustehen, wenn wir es nicht mehr sein können?“

Im Anschluss an die Frage haben die Paten noch ihre persönlichen Segensgrüße an den kleinen Erdling gerichtet und kleines Geschenk übergeben.

Ausklang

Danach folgte ein gemeinsames Lied zum Ausklang.

Anschließend gab es ein paar Häppchen und Sekt oder alkoholfreie Getränke und es bestand die Möglichkeit einer Führung durch das Museumsdorf. Danach wurde zur Kaffeetafel im Bauernhaus eingeladen, wo inzwischen ein Kuchenbuffet aufgebaut worden war. Danach war die Feierlichkeit zu Ende.

Rückmeldungen von den Gästen

Auch wenn ein paar Verwandte und Freude unsere Feier im Vorhinein skeptisch betrachteten, waren doch im Nachhinein alle sehr positiv überrascht. Mein Vater konnte sich zum Beispiel zunächst nichts unter einer Willkommensfeier vorstellen. Seine eigenen Kinder wurden „ganz normal“ in der Kirche getauft. Später kam dann die Rückmeldung von ihm, wie berührend und wundervoll er das Fest und die einzelnen Zeremoniepunkte empfunden hat.

Wir schickten im Nachhinein auch noch Dankeskarten raus und bekamen viele schöne Rückmeldungen von unseren Gästen.

Weitere Erfahrungsberichte

Einen weiteren Erfahrungsbericht findest du zum Beispiel hier auf rabeneltern.org: „Geburtsfeier – Eine Alternative zur Taufe“

Außerdem habe ich in Teil 1 der Artikelserie zum Willkommensfest auf den wunderschönen und ausführlichen Bericht der Namensgebungsfeier von Bloggerin Hannas Sohn verlinkt.

Wenn ihr selbst schon ein Namensgebungsfest oder eine ähnliche Geburtsfeier gefeiert habt, dann schreib gerne deine Erfahrungen in die Kommentare oder verlinke den Artikel, falls du online schon davon berichtet hast. Für Familien, die gerade in der Planung stecken, ist das eine tolle Inspiration! Vielen Dank.

Ein Willkommensfest als Alternative zur Taufe – Teil 2: Erfahrungsberichte
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