Wenn du eine Hausgeburt planst und bereits Kinder hast, stellst du dir sicher irgendwann die Frage, ob die älteren Geschwister bei der Hausgeburt dabei sein sollen oder nicht. Für manche Mütter ist diese Entscheidung schnell getroffen, andere sind sich unsicher. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, wie du die Geschwister am besten auf die Geburt vorbereiten kannst und warum es immer gut ist, sich einen Plan B offen zu halten.

Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten

Sollen die Geschwister bei der Geburt dabei sein oder nicht?

In vielen Fällen ist es ganz einfach so, dass die „großen“ Geschwister selbst noch recht klein sind, ein bis drei Jahre alt vielleicht. Und wenn sie bisher weder fremdbetreut wurden, noch eine enge Bezugsperson, wie die Oma nebenan haben, ist es verständlich, dass du dich nicht wohl fühlst, bei dem Gedanken, dein Kind für die Geburt wegzuschicken. Und wenn du dir dann während der Geburt Sorgen machen würdest, ob mit deinem großen Kind alles gut klappt, wirst du dich auch nicht so gut auf die Geburt einlassen und loslassen können. Da könnte es tatsächlich besser sein, dein Kind ist bei dir.

Falls du generell die Option hättest, das Geschwisterkind während der Geburt von einer ihm vertrauten Person betreuen zu lassen, sind die Fragen, die sich stellen, andere:

  • Fühlst du dich wohl bei dem Gedanken, dein Kind bei der Geburt dabei zu haben?
  • Möchte dein Kind überhaupt dabei sein?

Doch auch wenn ihr beide diese Fragen eindeutig mit „Ja!“ beantwortet, kann immer eine Rest Unsicherheit bleiben. Denn jede Geburt ist einzigartig und du weißt nicht wie du oder dein Kind auf unvorhersehbare Situationen reagieren werdet.

Flexibel bleiben mit Plan B

Es kann auch sein, dein Kind entscheidet sich plötzlich während der Geburt dafür, dass es nicht mehr dabei sein möchte. Oder du merkst, dass dir dein Kind doch zu wuselig oder aufgeregt ist und du so nicht zur Ruhe kommst. Was dann?

Nadine schreibt: „Tatsächlich hatte ich keine produktiven Wehen, sobald Paul (3) den Raum betreten hat. Sobald er mich rief und ich mich um ihn kümmern wollte, zack, da waren die Wehen weg… Deshalb haben wir ihn dann zur Oma gebracht. Grundsätzlich war es mal geplant, ihn dabei sein zu lassen, kam dann doch anders…“

Oder dein Kind oder du beantwortet die oben stehende Frage direkt mit „nein“ und es ist daher klar, dass dein Kind nicht dabei sein soll.

Vielleicht ist es eine Option, dass sich dann der Papa um das Kind kümmert. Allerdings kann er dann nicht mehr an deiner Seite sein. Wäre das für dich in Ordnung? Und wie geht es ihm mit dem Gedanken, nicht bei der Geburt dabei zu sein und dich alleine zu lassen?

Im Idealfall hast du gute Freunde oder Verwandte in der Nähe, die sich in so einem Fall um dein Kind kümmern können.

Übrigens kommen viele Geschwisterbabys auch nachts, wenn die Mama Ruhe hat. 😉 So war es auch bei uns, deshalb verschlief meine Tochter die Geburt ihrer Schwester auch ganz unspektakulär. Wir hatten als Plan B jedoch meine Mutter bei uns zu Hause, die sich – wenn nötig – um sie kümmern hätte können.

Falls du niemanden kennst, der dein Kind abholen könnte oder du dich nicht wohl fühlst, bei dem Gedanken andere Bekannte während der Geburt in deiner Wohnung zu haben, ist vielleicht eine Doula das richtige für dich. Eine Doula ist eine Geburtsbegleiterin, die dich bei deiner Geburt als helfende Hand unterstützt, sich um Geschwisterkinder kümmert und sich für deine Wünsche einsetzt. Mehr dazu im Artikel: Was macht eigentlich eine Doula?

Kann das Kind einen Schaden davon tragen?

Falls du dich dafür entschieden hast, das Geschwisterkind bei der Geburt dabei zu haben, kann es sein, dass diese Entscheidung in deinem Umfeld auf viel Unverständnis trifft. Gerade Frauen, die schlimme Geburtserfahrungen machen mussten, wollen natürlich nicht, dass ein Kind so etwas miterleben muss. Sie assoziieren Geburt vielleicht mit Angst, Hektik, Schmerzen, Schreie und Blut. Dann sind ihre gut gemeinten Sorgen natürlich berechtigt.

Aber wenn du eine Hausgeburt planst, ist das ja nicht, wie du dir deine Geburt vorstellst. Im Gegenteil, wenn eine Frau zu Hause gebären möchte, wünscht sie sich das meistens, weil sie damit Ruhe und Geborgenheit verbindet. Einen geschützten Raum, einen friedlichen Start ins Leben. Und wäre es dann nicht schön, wenn die ganze Familie den neuen Erdenbürger gemeinsam willkommen heißen könnte?

Eine Geburt an sich, ist etwas ganz natürliches. Und genauso werden es Kinder auch sehen und erleben, wenn wir ihnen nichts anderes vorleben. Geburt ist weder schlimm noch eklig. Vermutlich nehmen die meisten Kinder eine Geburt einfach mit kindlicher Neugierde und großem Interesse als selbstverständlich hin. Aber vielleicht finden sie es auch ganz unspektakulär und langweilig und schauen sich lieber im Nebenzimmer ein Buch an.

Patricia erzählt: „Bei unserem dritten Kind waren beide großen Geschwister dabei. Sie waren 5 und 2,5 Jahre alt und es war wunderschön. Sie haben sich so über ihren Bruder gefreut und ihn lieb in Empfang genommen. Es war die allerschönste Geburt und die Kinder fanden es auch so schön. Das Normalste der Welt.“

Prinzipiell finde ich also, dass überhaupt nichts gegen spricht, dein Kind bei der Geburt dabei zu haben – im Gegenteil, das kann eine Erfahrung für’s Leben sein, an das sich das Kind noch lange erinnert. Vielleicht führt es sogar dazu, dass dein Kind, wenn es selbst Mama oder Papa wird, dem Thema Geburt entspannt entgegensehen kann.

Trotzdem finde ich es wichtig, noch einen Plan B oder Plan C zu haben, sodass du dann in der Geburtssituation selbst ganz spontan entscheiden kannst, wonach dir ist und wie du am besten loslassen kannst.

Wenn das Kind dabei sein soll, finde ich es auf jeden Fall wichtig, das Kind alters entsprechend darauf vorzubereiten.

Wie du Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten kannst

Unabhängig davon, ob das Geschwisterkind bei der Geburt dabei sein soll oder nicht, hilft es ihm ganz sicher, mit der bald neuen Familienkonstellation umzugehen, wenn du es schon in der Schwangerschaft aktiv mit einbeziehst. Du kannst es zum Beispiel mit zu den Vorsorgeuntersuchungen nehmen, wenn du welche machst. Sicherlich sprichst du auch schon viel mit deinem Kind über das Baby, das in deinem Bauch heran wächst. Vielleicht möchte dein Kind dir auch mal den Bauch einölen oder versuchen mit einem Hörrohr die Herztöne des Kindes zu hören? Den Babybauch mit Fingermalfarben anzumalen, macht sicher auch viel Spaß! 😉

Schöne Bilderbücher zum Thema Hausgeburt

In vielen Kinderbüchern heißt es, dass die Mama zur Geburt ins Krankenhaus geht. Aber – ein Glück – gibt es inzwischen auch einige richtig schöne Bilderbücher, die Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten.

Runas Geburt

Runas Geburt: Meine Schwester kommt zur Welt*

Eine Hausgeburt aus Sicht der werdenden Schwester erzählt.

Klopft da wer?: Eine schwangere Familie, eine Hebamme und ein Baby*

Amüsantes kleines Bilderbuch, etwas comichaft, aber emotional gezeichnet.

Was macht eigentlich eine Hebamme?*

Aus der Sicht von Tim, der einmal eine Hebamme bei der Arbeit begleiten darf.

Welcome With Love bzw. Hello Baby* (Neuauflage)

Ein oft empfohlenes, englisches Bilderbuch über eine Hausgeburt, in leichter Sprache geschrieben.

Ein paar der Bücher habe ich in diesem Artikel bereits ausführlicher vorgestellt: 3 tolle kleine Bücher für werdende Geschwisterkinder.

Schöne Geburtsvideos für Kinder

Es gibt im Netz viele schöne Hausgeburtsvideos, die werdende Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten können und die du gemeinsam mit deinen Kindern anschauen kannst. Anschließend könnt ihr über die Kurzfilme sprechen und du kannst ihre Fragen beantworten. Besonders schöne Geburtsvideos sind:

Erfahrungsberichte Geburt mit Geschwistern

Zum Schluss möchte ich dir noch ein paar Links zum Weiterlesen da lassen. Ein paar Erfahrungsberichte von Geburten mit Geschwisterkindern und allgemeines zum Thema:

Planst du, das Geschwisterkind bei deiner Hausgeburt dabei zu haben? Oder hast du bereits eine Familiengeburt erlebt? Dann erzähle uns doch in den Kommentaren davon und gebe deine wertvollen Erfahrungen damit an andere schwangere Mamas weiter! Ich freu mich von dir zu lesen!

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Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten
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3 Kommentare zu „Geschwister auf die Hausgeburt vorbereiten

  • 2020-01-12 um 15:16
    Permalink

    Liebe Sophie, Schönes Thema! Ich war mit sechs Jahren bei der Geburt von meinem kleinen Bruder dabei. Wir älteren Geschwister konnten immer reinschauen, wie es ist und einfach wieder gehen, wenn wir es langweilig fanden oder anstrengend. Meine Mutter hat nicht mit uns gesprochen und sich voll auf die Geburt konzentriert mit der Hebamme. Mein Vater und meine Tante haben aber auf uns geachtet und Fragen beantwortet oder erklärt, dass das Blut nichts schlimmes ist (es war eine Wassergeburt). Ich kann mich gut daran erinnern und es ist eine sehr besonderen Erinnerung, die mich mein Leben lang positiv prägt und mir von Anfang an eine positive Einstellung zum Thema Geburt gegeben hat, was ja bei weitem nicht selbstverständlich ist. Meine älteren Brüder (die waren schon pubertär) wollten nicht dabei sein, einer wollte und durfte danach aber die Nabelschnur durchschneiden zusammen mit der Hebamme. 🙂

    Antworten
    • 2020-01-12 um 21:20
      Permalink

      Hallo! Danke für’s Teilen deiner Erfahrungen. Schön dass du so eine wertvolle Erinnerung für dich aus der Kindheit mitnehmen konntest. Und dadurch von Anfang an eine positive Einstellung zur Geburt zu haben, ist echt toll! 🙂

      Antworten

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