Vor zwei Jahren bin ich bei der Recherche zu meinem Buch „Vorfreude statt Vorsorge“ auf den gemeinnützigen Verein GreenBirth gestoßen. Was ich auf der Vereins-Website gelesen habe, hat mich dann so begeistert, weil es so meinen eigenen Gedanken entsprach, dass ich sofort die beiden Vereinsvorsitzenden Irene Behrmann und Anna Groß-Alpers nach einem Interview für mein Buch gefragt habe. Glücklicherweise hat es kurz darauf geklappt! Heute möchte ich dir den Verein näher vorstellen und zwar in Form eines Interviews mit Vereinsmitglied Lena Zeiser. Ich stehe mit Lena schon seit längerem in nettem Mail- und Gedankenaustausch und sie ist Mit-Organisatorin der Weltwoche der Geburt, die im November in Celle stattfinden soll. Aber lies selbst…

Liebe Lena, magst du dich kurz den Leserinnen vorstellen?

Gern, ich bin Lena, 34 Jahre alt, lebe in Celle mit meinem Mann und zwei Kindern. Wir haben eine 4-jährige Tochter und einen 2-jährigen Sohn. Ich bin seit vier Jahren in Elternzeit und seit drei Jahren Mitglied bei GreenBirth e.V.

Was macht der Verein GreenBirth? Worum geht es?

GreenBirth e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, werdende und junge Eltern zu stärken und zu informieren. Er ist national und international vernetzt mit anderen Elterninitiativen, die ähnliche Ziele haben. Wir wollen werdende Eltern und politische Instanzen aufklären über die Folgen von geburtsmedizinischen Routine-Eingriffen, z.B. Einleitung, Dauer-CTG, Wehentropf oder Dammschnitte.

Wir setzen uns für eine Geburtshilfe ein, die Geburt als einen natürlichen Prozess sieht. Die Frau und das Kind stehen beide im Mittelpunkt. In den Geburtsprozess von Mutter und Kind sollte möglichst sparsam eingegriffen werden. Sollten Mutter und oder Kind in Gefahr sein, sind medizinische Eingriffe natürlich notwendig.

Wir möchten werdende Eltern stärken indem wir ihnen unabhängige und verständliche Informationen zugänglich machen. Dazu haben wir z.B. das Geburts-ABC erstellt, ein online-Nachschlagewerk auf unserer Homepage www.greenbirth.de . Wir erinnern daran, dass Geburt etwas Natürliches ist und ein ganz individueller Prozess. Wir klären auf über Elternrechte und Kinderrechte, im Grundgesetz verankerte Menschenrechte. Sie stehen über dem Berufsrecht von Ärzten und Hebammen.

Wie bist du dazu gekommen, bei GreenBirth e.V. Mitglied zu werden?

Ich habe bei der Geburt meiner Tochter einen Wehentropf ohne Aufklärung über Nebenwirkungen bekommen, bin gegen meinen Willen in die Rückenlage gezwungen worden und habe gegen meinen Willen einen Dammschnitt bekommen. Danach habe ich mich sehr schlecht, übergangen und verletzt gefühlt.

Meine Hebamme klärte mich dann über die Zustände in der Geburtsmedizin auf. Was ich hörte, machte mich fassungslos. Von da an wollte ich mich dringend dafür einsetzen, dass sich etwas ändert. Ich stieß auf GreenBirth und wurde Mitglied, weil ich überzeugt bin, dass werdende Eltern gestärkt und informiert in die Geburt gehen sollten, um für sich einstehen zu können. Nur, wenn sie um Probleme wissen, können Sie sagen, was sie wollen oder nicht wollen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Zustände sich ändern.

Was ist deine Aufgabe im Verein? Wie engagierst du dich? Was liegt dir besonders am Herzen?

Ich bin Beiratsmitglied und würde mich als Lokal-Aktivistin bezeichnen, weil ich mich für Projekte hier vor Ort in Stadt und Landkreis Celle engagiere. Zum einen zeigen wir hier immer wieder mal den Film „die sichere Geburt“ von Carola Hauck in einem kleinen sympathischen alternativen Kino.

Zum anderen biete ich gemeinsam mit einer lieben Freundin 1x im Monat den GreenBirth-Stammtisch an. Das ist ein Treffpunkt für alle, die sich zu Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit austauschen wollen. Wir sprechen, über das was uns bewegt, stellen Fragen, stärken uns gegenseitig, leihen uns gegenseitig Bücher, Tragesysteme oder andere Dinge aus und knüpfen Kontakte. Die Babys und Geschwisterkinder sind mit dabei. Wir haben zusätzlich eine Whatsapp-Gruppe, in der dieser Austausch jederzeit möglich ist.

Und das größte Projekt, das ich als Teil eines wundervollen Teams mit anderen Mitgliedsfrauen ehrenamtlich auf die Beine stelle, ist die „Weltwoche der Geburt“. Die International Week of Respecting Childbirth (IWRC) findet normalerweise in der dritten Maiwoche statt. Dieses Jahr ging das ja leider nicht. Nun haben wir sie in guter Hoffnung auf den 16. bis 22. November 2020 verschoben.

Foto: Copyright Isabell Steinert Fotografie

Was genau ist für die Weltwoche der Geburt im November geplant? Wie kann man sich das vorstellen?

Es gibt 20 verschiedene Angebote, die über diese eine Woche verteilt sind. Es gibt Workshops, Vorträge und Gesprächsrunden, mit tollen Referenten aus ganz Deutschland. Eingeladen sind werdende und junge Eltern bzw. Paare, die erstmals oder noch einmal Eltern werden möchten. Auch für Eltern und Geschwister von Sternenkindern ist ein Angebot dabei. Unsere Intention bei der Auswahl der Angebote war es, alternative Wege durch Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit aufzuzeigen und neuestes Wissen zu vermitteln. So gibt es beispielsweise Workshops über Kinästhetik Infant Handling, die Dunstan-Babylaute, intuitives Stillen, Mehrlingsgeburten, Stoffwindeln, Windelfrei und vieles mehr. Das komplette Programm ist zu finden auf der GreenBirth-Homepage unter „Weltwoche der Geburt“.

Im letzten Jahr haben sich viele schwangere Frauen für mehrere Angebote angemeldet, und sich so über die Zeit kennengelernt. Sie hatten eine schöne bereichernde Zeit zusammen. Eine Veranstaltungsreihe dieser Art und Umfang gibt bisher nur in Celle. Eine Reise in die schöne Fachwerkstatt Celle lohnt sich daher auf jeden Fall.

Liebe Lena, das klingt wunderbar. Vielen Dank für diesen Einblick. Gibt es etwas, dass du schwangeren Frauen generell ans Herz legen möchtest oder abschließend noch sagen möchtest?

Ja, ich möchte schwangeren Frauen raten sich frühestmöglich eine Hebamme zu suchen. Der persönliche Austausch mit einer liebevollen Hebamme, bereits in der Schwangerschaftsvorsorge, ist sehr wertvoll. Es ist auch ratsam sich früh Gedanken über den Geburtsort zu machen, da später meist keine Plätze für Hausgeburt oder Geburtshaus mehr verfügbar sind.

Man kann auch zum Kennenlernen ganz unverbindlich ein erstes frühes Gespräch mit einer Hausgeburtshebamme und oder einem Geburtshausteam führen.

Abschließend möchte ich noch sagen, ich denke, für Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach ist es ganz wichtig, dass wir auf unsere Intuition vertrauen, dass wir unserem Bauchgefühl folgen und dass wir hinspüren was uns gut tut.

Liebe Sophie, ich danke dir für die Einladung zum Interview. Vielleicht treffe ich die eine oder andere Leserin ja bei der Weltwoche der Geburt oder als neues GreenBirth-Mitglied.

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GreenBirth e.V. informiert und stärkt werdende Eltern – Interview mit Lena Zeiser
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