Im Folgenden könnt ihr den wundervoll ermutigenden Geburtsbericht von Yelka lesen, die ihre Zwillinge aus Beckenendlage natürlich geboren hat. Sie hat mich vor ein paar Wochen kontaktiert und gefragt, ob ich Verwendung für den Bericht in meinen Geburtsvorfreudekursen hätte. Ich finde ihn allerdings so wertvoll, dass ich ihn gerne noch viel mehr Menschen zur Verfügung stellen möchte, als nur meinen Kursteilnehmerinnen. Denn wie Yelka selbst schrieb: Sie hat am Ende ihrer Schwangerschaft verzweifelt und erfolglos nach positiven Geburtsberichten in ähnlichen Situationen gesucht. Mit ihrem Bericht möchte sie daher anderen Schwangeren Mut machen, ihren Weg zu gehen. Ich bin mir sicher, dass er eine große Bereicherung für Schwangere, aber auch Hebammen und alle anderen Leserinnen und Lesern ist. Vielen Dank an dieser Stelle an dich Yelka, für dein Vertrauen und für das Teilen deiner wertvollen Erfahrung.

Zwillinge aus BEL natürlich geboren

Gastartikel/Geburtsbericht
Der folgende Schwangerschafts- und Geburtsbericht wird etwas länger werden. Denn ich möchte auch auf Hintergründe und Details eingehen, die für Frauen in ähnlichen Situationen vielleicht interessant und ermutigend sein könnten.

Meine Freude war groß, als ich im Spätsommer erfuhr, dass ich ein Kind erwartete. Ich wollte schon immer jung Mutter werden, und nun, 22 Jahre alt, das Ende meines Medizinstudiums vor Augen, schien mir der Zeitpunkt gut. Ich begab mich schon recht bald auf die Suche nach einer Hebamme, die vielleicht sogar eine Hausgeburt betreuen würde – ob ich das letztlich machen wollte, darüber war ich mir noch nicht sicher, aber ich zog es immerhin in Betracht.

Doch ein paar Wochen später, erfuhren mein Mann und ich von unserem Glück: in einem Ultraschallkurs in der Uni hieß es auf einmal: Sie bekommen ja Zwillinge! Zunächst einmal war ich mit der „Diagnose“ ziemlich überfordert. Da wir uns im Studium gerade intensiv mit Geburtshilfe beschäftigten, wusste ich im Detail um alle möglichen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Und das Risiko für diese ist – nahezu ausnahmslos – bei Zwillingen erhöht. Manchmal ist es nicht von Vorteil, gut informiert zu sein.

Plötzlich hochrisikoschwanger!

Von Beginn an war meine Schwangerschaft leider von der großen Angst vor einer Frühgeburt geprägt, auch, weil ich bereits die traurige Erfahrung einer Fehlgeburt hatte machen müssen. Dann stand bald der erste Termin bei der Frauenärztin an, und die nahm mir nicht im geringsten etwas von meinen Sorgen. Im Gegenteil, ich wurde als „Hochrisikoschwangere“ eingestuft, sollte mich regelmäßig im Universitätsklinikum vorstellen und wurde schon mal vorgewarnt, dass es wohl kaum möglich sein würde, mein Studium während der Schwangerschaft fortzuführen, da Mehrlingsmütter sich ganz besonders schonen müssten.

Eine dieser verordneten Untersuchungen in der Uniklinik nahm ich wahr, doch ließ sie mich stark verunsichert zurück. Die Nabelschnüre der Kinder seien so ungünstig positioniert, dass die Versorgung in Gefahr geraten könne und eine natürliche Geburt damit bereits schon zu diesem recht frühen Zeitpunkt nahezu ausgeschlossen sei.

Ich las viel in Fachbüchern, genauso wie in Foren im Internet, achtete enorm auf jedes Zwicken, immer mit der Angst, dass es zu vorzeitigen Wehen kommen könnte. Ich war immer ein sehr aktiver Mensch gewesen und es fiel mir nicht leicht, jetzt ein paar Gänge zurückzuschrauben.

Jedoch – meine Sorgen blieben unbegründet, jede Untersuchung beim Frauenarzt zeigte vorbildliche Messwerte, die Zwerge wuchsen regelgerecht und wie kräftige Einlinge. Der Gebärmutterhals schwächelte überhaupt nicht, und obwohl ich mich im Studium ziemlich verausgabte, ging es mir körperlich sehr gut.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich so viele Praktika und Prüfungen vor der Geburt erledigen konnte – denn es war mir schon während der Schwangerschaft klar, dass es keineswegs „entspannter“ werden würde, wenn die Kinder erstmal auf der Welt wären.

Ab der 25. Woche rechnete ich ständig mit Wehen

Die letzten Monate, eigentlich schon ab der 25. Woche rechnete ich beinahe ständig mit dem Einsetzen von Wehen. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich noch eine Weile auf der universitären Frühchenstation, was für eine werdende Mama natürlich nicht einfach ist. Diese winzigen, hilflosen Geschöpfe zu sehen, das brach mir schier das Herz.

Langsam machte ich mir dann Gedanken, wo die Geburt stattfinden sollte. Eine anfänglich überlegte Hausgeburt kam nun nicht mehr in Betracht, auch die Geburtshäuser in unserer Umgebung betreuten keine Zwillingsgeburten. Ich las natürlich in vielen Geburtsberichten, dass die Mehrzahl der Zwillingsgeburten durch einen Kaiserschnitt stattfänden und viele Frauen sich das auch wünschten. Mir war aber klar, dass ich eine natürliche Geburt anstreben wollte. Ich fand es auch ziemlich selbstverständlich, dass das schon klappen würde – wahrscheinlich ein etwas naiver Gedanke. Ich freute mich regelrecht auf die Geburtserfahrung.

Bei meinen Praktika im Studium hatte ich schon vor der Schwangerschaft bei zahlreichen Kaiserschnitten assistiert – und obwohl ich rein medizinisch betrachtet diese Operationen sehr faszinierend fand, so kam mir diese Form der „Entbindung“ für Mutter und Kind immer sehr grausam vor. Keine Frage, manchmal kann man der Medizin dankbar sein, wenn nur durch diese OP das Leben zweier Menschen gerettet werden kann. Aber mir persönlich war es ein regelrechtes Horrorszenario.

Vaginale Geburt trotz Beckenendlage?

Doch dann schlich sich mehr und mehr eine Sorge ein, dass ich auch selber diese für mich so entsetzlich empfundene Erfahrung würde machen müssen. Denn mit jeder Vorsorgeuntersuchung der fortgeschrittenen Schwangerschaft stand in meinem Mutterpass „BEL/BEL“ – Beckenendlage. Schon bei Einlingsschwangerschaften ist eine vaginale Geburt aus Beckenendlage risikobehaftet und wird nur von wenigen Kliniken durchgeführt. Bei Zwillingen ist das eigentlich eine Indikation für eine geplante Sectio.

Noch hatte ich aber Hoffnung auf eine spontane Drehung der Beiden in die Schädellage, versuchte das auch mit allerlei „Hausmitteln“ zu forcieren. Der rechte Zwilling drehte sich auch noch bis kurz vor der Geburt manchmal mehrmals täglich von der Steiß- in die Schädellage und leider auch immer wieder zurück. Ich fragte nun also mehrere Kliniken in der weiteren Umgebung an, ob sie grundsätzlich eine vaginale Zwillingsgeburt betreuen würden. Da wir ziemlich provinziell leben, fielen die kleinen Krankenhäuser in der Nähe sowieso aus. Die geburtenstärkste Klinik im Umkreis, etwas 90 Minuten entfernt, sagte schließlich zu und ich vereinbarte einen Termin zur Geburtsplanung, wie bei „risikobehafteten“ Schwangerschaften üblich.

Leider war diese Vorstellung eine große Ernüchterung, denn mir wurde nicht nur mitgeteilt, dass sie eine Beckenendlagengeburt bei Zwillingen keinesfalls durchführen würden. Nein, es hieß auch, dass der geplante Kaiserschnitt allerspätestens in der 38. Woche stattfinden müsse, da die Kinder schon „zu groß“ seien. Ich könne ja gerne in ein Entwicklungsland zur Entbindung gehen, da lasse man alles auf sich zukommen, aber die Todesrate sei halt auch enorm. Hierzulande lasse sich keiner mehr auf solche Abenteuer ein. Sehr ernüchtert und ohne eine richtige Antwort erhalten zu haben, warum bei Zwillingen eine äußere Wendung oder Steißgeburt ausgeschlossen sein solle, verließ ich ziemlich aufgelöst die Klinik.

Die nächsten Wochen verfiel ich nahezu in eine Depression, weinte viel, war immerzu verzweifelt und konnte mich kaum noch auf die Kinder freuen. Immer hartnäckiger versuchte ich die Kinder zum Drehen zu bewegen, aber sie hatten ihren eigenen Kopf. Ich stellte mich noch in mehreren anderen Klinken der Umgebung vor, aber nirgendwo stieß mein Wunsch nach einer natürlichen Geburt – wenigstens dem Versuch – auf Verständnis. Ein Kaiserschnitt sei doch für Mutter und Kind der sicherste und sowieso auch angenehmere Weg. Für mich war (und ist) es unverständlich, dass so wenig auf die Wünsche und Vorstellungen der Frauen eingegangen wird, zumal bei einer so persönlichen und intimen Angelegenheit wie einer Geburt.

Dennoch ließ ich in jeder Klinik die Aufklärungen über mich ergehen, unterschrieb etliche Einwilligungen zum Kaiserschnitt und fragte mich zunehmend, ob es nicht einfach ein egoistischer Wunsch von mir sei, die Geburt aus eigener Kraft bewältigen zu wollen. Würde ich nicht mit diesem „Egoismus“ meine Kinder gefährden? So stark war der Einfluss des Fachpersonals, dass ich mehr und mehr an meiner Intuition als werdender Mutter zu zweifeln begann.

Klinik Havelhöhe – Meine Rettung!

Glücklicherweise wurde mir auf dem Gipfel meiner Verzweiflung von einer guten Bekannten die Klinik Havelhöhe empfohlen – für uns zwar gute zwei Autostunden entfernt, aber förmlich die Rettung in der Not. Ich rief also mit einem etwas schlechten Gewissen dort an, denn schließlich war ich zu dem Zeitpunkt bereits in der 37. Schwangerschaftswoche und nach Aussage der meisten Ärzte konnte es jederzeit zum Einsetzen der Wehen kommen. Zumal wusste ich, dass man sich eigentlich einige Monate vor der Geburt in der Klinik anmelden sollte. Ich war unendlich dankbar, dass man mir die Möglichkeit gab, spontan zu einer Vorstellung vorbeizukommen. Also setzte ich mich am kommenden Tag ins Auto und fuhr die 250 km gen Norden.

Und wie war ich erleichtert nach dem Gespräch mit der Oberärztin! Endlich zeigte ein Mediziner Verständnis für meine Vorstellungen und Hoffnungen in Bezug auf die nahende Geburt. Ausführlich sprachen wir über Möglichkeiten und Risiken einer natürlichen Zwillingsgeburt aus Beckenendlage. Anschließend unternahmen die Oberärztin und eine Kollegin noch einen Wendeversuch des führendes Zwillings. Dies gelang nicht – allerdings heißt es ja auch, dass die Kinder oft einen Grund haben, eine bestimmte Lage einzunehmen. Und es ist nicht immer klug, diese manipulativ zu verändern. Wir vereinbarten also eine Wiedervorstellung knapp zwei Wochen später.

In der Zwischenzeit wurde ich aufgrund angestiegener Leberwerte ins ortsansässige Krankenhaus eingewiesen. Dort wollten mich die leitenden Ärzte zum sofortigen Kaiserschnitt überreden – das Risiko für eine Totgeburt sei massiv erhöht. Außerdem könne die Geburt jeden Moment beginnen, es sei unverantwortlich, unter diesen Bedingungen die weite Strecke ins Wunschkrankenhaus zu fahren (zumal in Zeiten des landesweiten Corona-Lockdown…).

Nach meiner eigenen Recherche stufte ich jedoch die aktuellen Laborwerte als vertretbar ein, auch zeigte das CTG keine Wehentätigkeit, den Kindern ging es allen Untersuchungen zufolge gut. Nach zwei Tagen der „Überwachung“ verließ ich „gegen ärztlichen Rat“ das Krankenhaus, zunächst mit einem mulmigen Gefühl, war mir doch durch die Aussagen des Personals gehörig Angst gemacht worden. Im Rückblick bin ich sehr froh, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben. Es ist mir aber natürlich auch bewusst, dass es anders, ungünstiger, hätte laufen können.

Den Kindern ging es bestens in meinem Bauch

Einige Tage später brachen mein Mann und ich auf in die Klinik Havelhöhe, wo wir einen weiteren Termin zur ausführlichen Aufklärung und Untersuchung hatten. Ich war eigentlich der festen Überzeugung, dass ich gleich dort bleiben würde, weil die Geburt unmittelbar bevorstände. Wie stark meine Einschätzung wieder einmal von den vielen Aussagen „Zwillinge kommen IMMER früher, meist sogar als Frühchen auf die Welt“ beeinflusst war! Erstaunt (und leicht amüsiert) war ich also, als man mir einen Termin zur Wiedervorstellung für die 39. SSW gab. Ich war mir sicher, dass die beiden nicht so lange auf sich warten lassen würden.

Es war uns zu heikel, die lange Strecke bis nach Hause zu fahren und so quartierten wir uns bei meiner in der Nähe der Klinik lebenden Tante ein. Und es tat sich nichts. Körperlich ging es mir noch sehr gut und so machte ich Tag für Tag stundenlange Spaziergänge, in der Hoffnung, dadurch einen Wehenbeginn auszulösen. Die Kinder hatten aber offensichtlich andere Pläne und hatten es sich in meinem Bauch ganz schön gemütlich gemacht. An den meisten anderen Klinken wäre die Schwangerschaft zu diesem Zeitpunkt bereits durch einen geplanten Kaiserschnitt beendet gewesen. Das wollte ich ja auch deshalb nicht, weil in meiner Vorstellung die Kinder Ihren Geburtstag selber bestimmen sollten. Die Wiedervorstellung ergab kein neues Ergebnis, keine stationäre Aufnahme. Die Leberwerte waren wieder in Ordnung, den Kindern ging es bestens.

Meine Entscheidung zur Einleitung

Mit jedem Tag aber wurde ich ungeduldiger und unruhiger. Es verging der April und ich konnte nicht fassen, dass es nun Maikinder werden sollten. Zwei Tage vor dem errechneten Termin war ich wieder zur Kontrolle einbestellt worden. Auf meinen Wunsch hin wurde ich nun stationär aufgenommen. Ich hoffte, dass den beiden im Krankenhaus etwas auf die Sprünge geholfen werden konnte. Der Wehenschreiber hatte zwar regelmäßige Kontraktionen verzeichnet, diese zeigten aber nicht die gewünschte Wirkung. Mit sanften Methoden ließen sie sich nicht locken, daher entschieden wir uns dann doch für eine medikamentöse Einleitung.

Zwar wollte ich das eigentlich vermeiden – ich war noch vor dem errechneten Entbindungstermin und die Klinikärzte wären auch bereit gewesen, noch ein paar Tage zu warten. Mir wurde gesagt, dass jeder Tag mehr im Bauch ein Benefit für die Kinder darstelle. Aber verschiedene Faktoren brachten mich dann doch zu dieser Entscheidung. Erstens waren die Kinder im Ultraschall recht groß geschätzt worden – auf jeweils etwa 3500g. Dazu kam die besondere Geburtsposition der Beckenendlage, die ja durchaus den Geburtskanal stärker beanspruchen kann als eine regelgerechte Schädellage. Ob mein großer Wunsch einer natürlichen Geburt möglich sein würde, stand bis zum Ende in Frage, und ich dachte mir, dass jeder weitere Tag, jede Gewichtszunahme der Zwerge, mich weiter davon wegbringen würde – natürlich war das in erster Linie ein sorgenvolles Gefühl und nicht unbedingt medizinisch begründet.

Ich war auch nicht ganz frei von gewissen Ängsten, dass etwas schief laufen könnte – denn die Worte „Totgeburt“ und „Notkaiserschnitt“ usw. waren mir von den Ärzten der anderen Kliniken noch im Kopf geblieben. Zudem hatte ich ja bereits seit Tagen immer wieder sehr regelmäßige Wehen gehabt, zwar wenig schmerzhaft, aber doch stark spürbar. Eine Hebamme hatte mir dazu gesagt, dass möglicherweise die Muskulatur der Gebärmutter durch den wirklich riesigen Bauch so stark gedehnt und dünn geworden sei, dass sie nur schwer die vorhandenen Kontraktionen effektiv nutzen könnte, um die Kinder auf die Welt zu bringen.

Nicht zuletzt war ich mental ziemlich am Ende meiner Geduld. Zwar ging es mir körperlich noch immer blendend, aber durch die lange Wartezeit fernab von daheim machte ich mir selber einen enormen Druck, dass es jetzt endlich losgehen müsse. Es waren ja Tage und Wochen, in denen ich naturgemäß gerne noch die letzten Vorbereitungen für unsere beiden Wunder getroffen hätte und dem Nestbautrieb nachgegangen wäre. Das war aufgrund unseres Aufenthaltes in der Nähe der Klinik nicht möglich und ich sehnte mich einfach nach dem heimischen Umfeld, danach, meine Kinder in die Arme zu schließen und gemeinsam nach Hause zu fahren.

Kurzum – nach einiger Bedenkzeit entschied ich mich für die Einleitung, wissend, dass es noch eine ganze Weile bis zur Geburt dauern könnte. Das war schon ein seltsames Gefühl, selbst zu bestimmen, dass es jetzt losgehen soll. (Bei der Geburt meines nächsten Kindes werde ich alles daran setzen, dass der neue Erdenbürger sich die Zeit nehmen kann, die er braucht).

Die Geburt begann…

Es ging dann plötzlich viel schneller als alle Beteiligten es erwartet hatten. Die Kontraktionen wurden schon kurz nach Applikation des Mittels am Nachmittag merklich stärker und zunehmend schmerzhaft. Auch das Tokogramm zeigte starke und sehr häufige Wehentätigkeit. Ich lief noch einige Runden durch den die Klinik umgebenden Wald, und genoss die warme Abendsonne. Mein Mann durfte aufgrund der Pandemie-Situation leider erst zur Geburt kommen.

Da sich auch nach mehreren Stunden der Muttermund nicht weiter eröffnet hatte (was mich doch ein wenig enttäuschte), bekam ich noch eine geringe zweite Dosis des Medikaments. Ich sollte die nächsten Stunden auf meinem Zimmer verbringen. Doch nicht lange und ich hielt die Schmerzen kaum noch aus. Die Wehen kamen plötzlich in einer Intensität und Frequenz, die mir keine Möglichkeit zum Verschnaufen ließ. Ich wankte also in den Kreißsaal und bat um Schmerzlinderung. Dabei konnte ich kaum noch reden, weil eine Kontraktion die nächste jagte. Die anwesende Hebamme winkte aber eher ab und sagte, dass sei bei einer Einleitung normal – die Wehen würden sich verändern und es würde noch eine ganze Weile vergehen, bis sich wirklich was täte. Ich wurde mit ein paar Schüssler-Salzen wieder aufs Zimmer geschickt, wo ich vor Schmerzen schon ziemlich schreien musste (was mir ganz schön peinlich war, schließlich war ich ja auf der Wöchnerinnenstation…).

Ich kam an einen Punkt, an dem ich mir eigentlich nur noch wünschte, dass es aufhört, egal, ob durch Kaiserschnitt oder wie auch immer. Dabei hatte ich ja im Kopf, dass es jetzt noch Stunden so weitergehen würde. Das hätte ich nicht aushalten können. Kurz danach verspürte ich einen starken Pressdrang und bekam Panik. Ich konnte mich aber nicht dagegen erwehren und schon platzte die Fruchtblase meines ersten Kindes. Ich wankte erneut aus meinem Zimmer auf der Wöchnerinnenstation in den Kreißsaal. Dort wurde ich untersucht. Der Muttermund war nun vollständig eröffnet, völlig überraschend für mich und die Hebammen.

Endlich konnte ich loslassen!

Meinem Mann hatte ich vorher nicht Bescheid geben können. Stöhnend stammelte ich also jetzt ins Telefon, dass er sofort kommen müsse. Die Oberärztin, die um diese Zeit, kurz vor Mitternacht natürlich nur in Bereitschaft daheim war, musste informiert werden. Aufgrund der komplizierten Geburtskonstellation (Zwillinge und Beckenendlage) war es wichtig, dass sie dabei war. In kurzer Zeit kamen etliche Ärzte in den Raum. Im Hintergrund wurde alles für den Fall einer Komplikation vorbereitet. Ich hatte die ganze Zeit starke Presswehen, die ich aber so gut es ging veratmen sollte, um die Ankunft der Oberärztin abzuwarten. Es fiel mir nicht leicht, aber die sehr tolle Hebamme unterstützte mich gut darin. Gegen 23 Uhr kamen endlich die Oberärztin und gleichzeitig mein Ehemann in den Geburtsraum. Da fiel eine große Anspannung von mir ab. Ich hatte in den Gesprächen vor der Geburt mein Vertrauen in die Oberärztin sehr gefestigt – das gab mir die Möglichkeit, loszulassen, was sicher enorm wichtig war für den Geburtsverlauf.

Dann ging alles ziemlich schnell. Ich durfte endlich dem Pressdrang nachgeben. Während der Austreibungsphase wurde dauerhaft via Ultraschall und CTG das Wohlbefinden der Kinder überwacht. Zum großen Glück war alles unauffällig. Meine beiden Jungs erblickten kurz nacheinander das Licht der Welt. Es war ein sehr magischer Moment. Ich konnte es nicht fassen, dass es so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht hatte. Ohne PDA oder andere Eingriffe!

Sie wurden mir beide auf den Oberkörper gelegt und durften direkt zum ersten Mal an der Brust trinken. Etwa eine halbe Stunde später musste die Plazenta noch geboren werden. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr die Kraft dafür zu haben nach der vorangegangenen Anstrengung. Es war auch schmerzhafter als gedacht – schließlich waren die Plazenten beider Kinder zu einer großen zusammengewachsen. Wir wurden als frischgebackene Familie eine Weile allein gelassen und bestaunten unsere Zwerge.

Dann durfte ich mithilfe der Hebamme aufstehen und mich duschen – eine Wohltat! Wir gingen dann zurück auf die Wochenbettstation und verbrachten den Rest der Nacht kuschelnd, staunend und bewundernd. Das Stillen begann etwas holprig, pendelte sich aber schnell ein. Die Kinder nahmen vorbildlich zu und auch mir ging es schon am Morgen nach der Geburt sehr gut.

Zum Glück hatte ich keine relevanten Geburtsverletzungen, was das Wochenbett natürlich auch angenehmer gestaltete. Zwei Tage blieben die Kinder und ich noch in der Klinik, dann ging es endlich wieder nach Hause.

Schwangerschaft und Geburt haben mich gestärkt und selbstbewusster gemacht

Immer wieder muss ich an diese von mir als wunderbar empfundene Geburtserfahrung denken. Zum Glück habe ich trotz zahlreicher Gegenstimmen diesen Weg gewählt. Die Einleitung, die ich eigentlich vermeiden wollte, hat sich vermutlich sogar positiv auf den Geburtsverlauf ausgewirkt. Es ging alles so schnell, dass es kaum zu Komplikationen kommen konnte. Insgesamt haben mich die Erfahrungen in der Schwangerschaft und nicht zuletzt die Geburt innerlich sehr gestärkt und selbstbewusster gemacht.

Ich hoffe, mit meinem Geburtsbericht mancher Frau in einer ähnlichen Situation Mut machen zu können, sich auf die Intuition als werdende Mutter zu verlassen und nicht aufzugeben, für ihre Vorstellungen zu kämpfen. Manchmal ist es leider aus medizinischen Gründen nicht möglich, alle Wünsche in die Tat umzusetzen – aber oft gibt es ihn doch, den besseren Weg für Mutter und Kind.

Anmerkung von Sophie: Wer in einer ähnlichen Situation ist und mit Yelka Kontakt aufnehmen möchte, darf sich gerne bei mir melden.

Zwillinge aus Beckenendlage natürlich geboren – Yelkas mutmachender Geburtsbericht
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