Nachdem ich dir letzte Woche von unserem Weg zu einem kindergartenfreien Alltag berichtet habe, erfährst du heute, wie es bei uns nach der Abmeldung vom Kindergarten weiter ging. Ein kleiner persönlicher Einblick in unser aktuelles Familienleben. Außerdem verrate ich dir am Ende des Artikels, mit welchem tollen Projekt ich gerade viel Zeit verbringe. 🙂

Kindergartenfrei glücklich

Fakt ist, dass wir jetzt schon ca. ein halbes Jahr ohne Kindergarten leben und den Schritt nie bereut haben. Im Gegenteil, ich genieße es noch immer jeden Tag, dass wir morgens nicht auf die Uhr schauen müssen und unseren Alltag frei gestalten können. Seit dem Sommer hat sich unser Netzwerk mit andere Familien noch einmal vergrößert, sodass wir teilweise fast jeden Tag etwas mit Freunden und deren Kindern im ähnlichen Alter unternommen haben. Langeweile kommt hier auf jeden Fall nicht auf.

Die Waldspielgruppe

Da wir direkt am Wald wohnen und ich es mit den Kindern so schön und entspannt dort finde, hatte ich schon vor längerer Zeit die Idee, eine Waldspielgruppe zu gründen. Ich selbst habe als Kind an einem Naturforscherkurs teilgenommen und dieser ist mir immer noch ganz besonders in Erinnerung. Waldsofas und Staudämme bauen, Tierspuren lesen und einmal haben wir uns morgens um 6 Uhr (oder war es sogar 5? Ich weiß es nicht mehr…) getroffen und den Vogelstimmen gelauscht. Als Jugendliche und junge Erwachsene habe ich dann in dem Jugendverein für umweltbewusste Lebensgestaltung deutsche reform-jugend (drj) mit anderen Jugendlichen ehrenamtlich Treffen und Kinderfreizeiten in der Natur organisiert. Die Initiative zu ergreifen und selbst eine Waldspielgruppe zu gründen, lag mir daher nahe.

Noch in der gleichen Woche, in der wir unsere Tochter vom Kindergarten abmeldeten, habe ich dann meine Idee von der Waldspielgruppe in unserem Ort umgesetzt und beworben. Wenn schon nicht Waldkindergarten, dann war es mir wichtig, dass wir trotzdem regelmäßig mit einer festen Gruppe von Kindern in den Wald gehen und die Kinder dort gemeinsam spielen können.

Seit September treffen wir uns also regelmäßig 2x in der Woche (außer in den Ferien) mit einer kleinen Gruppe Kindern und deren Eltern im Wald bei uns um die Ecke. Und da es uns allen so viel Spaß macht, habe ich nicht vor, so schnell wieder damit aufzuhören!

Um die Sozialkontakte und was das Spielen mit anderen Kindern angeht, mache ich mir daher wirklich keine Sorgen, das dies für unsere Töchter zu kurz kommen könnte.

Alltag ohne Kindergarten

Das Mütterteam

Zusätzlich zur Waldspielgruppe hat es sich in den letzten Monaten bei uns so eingespielt, dass wir uns meist 1-2x die Woche mit einer Freundin zum Mütterteam treffen. Auf meinem Blog habe ich hier bereits ausführlich über die Idee des Mütterteams geschrieben: Wie du ein Mütterteam gründest und endlich wieder Zeit für dich hast.

Abwechselnd treffen wir uns bei meiner Freundin zu Hause oder bei uns. Und jeweils diejenige, bei der wir uns treffen, kann dann in dieser Zeit etwas für sich machen. Die andere spielt währenddessen mit den Kindern.

Das ermöglicht meinen Töchtern einerseits noch mehr Zeit mit anderen Kindern zu verbringen und in anderer Umgebung zu spielen und für mich ist es natürlich eine Entlastung. Ich kann die Zeit frei für mich nutzen und mir mit einer Ruhepause etwas gutes tun, oder an meinem Blog arbeiten…

Den Rest der Woche…

…treffen wir häufig andere Freunde mit ihren Kindern, gehen in die Krabbelgruppe oder verbringen die Zeit unter uns. Wir gehen viel (und bei fast jedem Wetter) raus.

Unsere beiden Töchter spielen immer mehr zu zweit und es ist eine Freude sie so zusammen zu erleben. Gerade die Jüngere profitiert natürlich unglaublich davon, dass ihre große Schwester zu Hause ist. Und ich ebenfalls, denn sonst müsste ich mich sicherlich viel mehr und intensiver mit der Kleinen beschäftigen. Da sie aber so viel zu zweit spielen, habe ich immer mehr Zeit, in der ich nicht aktiv gebraucht werde, sondern meinen eigenen Beschäftigungen nachgehen kann.

Alle paar Monate verbringen wir auch mal ein paar Tage oder mehr bei einer der Omas oder mit anderen gleichgesinnten Familien im Familienurlaub.

Wie steht es mit der Förderung?

Ganz ehrlich, das ist das Thema, um das ich mir am wenigsten Gedanken oder gar Sorgen mache. Ich bin überzeugt davon, und ich bekomme es täglich bestätigt, dass Kinder in jedem Moment spielend lernen. Sie brauchen dafür keine spezielle Anleitung oder Förderung. Das ergibt sich durch die Fragen, die sie jeden Tag stellen und die Erfahrungen, die sie im Alltag machen. Gerade gestern sind wir irgendwie auf das Thema Vulkane gekommen, von denen meine Tochter bisher nichts gehört hatte. Ich habe ihr dann ein bisschen dazu erklärt und ihr anschließend in einem kurzen Video mal gezeigt, wie so ein Vulkanausbruch aussieht. Man hat ihr förmlich angesehen, wie sie begeistert das ganze neue Wissen in sich aufsaugte. 🙂

Ich sehe ganz deutlich, wie Lernen für sie mit Neugierde, Spaß und Freude verbunden ist. Und das es es ja bei allen Kindern. Meistens bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Lernen dann zur Pflicht wird. Dann heißt es plötzlich: „Erst lernst du und dann kannst du spielen“. Die Verbindung von Spielen und Lernen wird also getrennt. Und ab da macht es ja dann den meisten Kindern auch nicht mehr so viel Spaß.

Momentan hat unsere knapp Vierjährige ein riesiges Interesse an Buchstaben. Sie sieht mich etwas schreiben und holt sich dann gleich auch ein Blatt und einen Stift zum Schreiben. (Und sie will dann auch keinen Bunt- oder gar Wachsmalstift, sondern einen richtigen Bleistift wie ich „…mit blauer Rinde!“. :)) Und dann schreibt sie ihr Blatt voll mit Buchstaben: N, T, O, A, M, U… und gelegentlich fragt sie mich, wie man einen Buchstaben schreibt, den sie noch nicht kann. Ich bin mir sicher, es dauert kein halbes Jahr mehr und sie schreibt ihre ersten Wörter. Und es ist jetzt nicht so, dass ich sie da aktiv fördere oder dazu ermutige das Schreiben zu lernen. Das kommt alles von ihr aus und ich begleite sie nur dabei, wenn sie Fragen hat oder Hilfe braucht. Ich finde das faszinierend.

Ist es nicht anstrengend, den ganzen Tag mit zwei Kleinkindern zu Hause zu sein?

Doch. Auf jeden Fall. Aber genau deshalb hängen wir ja nicht den ganzen Tag zu Hause rum! 😉 Und deshalb fällt mir auch nicht die Decke auf den Kopf. Raus gehen und vernetzen sind hier meine zwei Zauberwörter. Und ohne diese beiden Dinge könnte ich mir ein kindergartenfreies Leben auch nur schwer vorstellen. Zum Glück kann ich beides in der Realität wunderbar umsetzen.

Ich persönlich empfinde meine Kinder auf jeden Fall nicht als anstrengend. Na klar gibt es anstrengende Momente im Laufe des Tages, das ist ja normal. Aber es ist nie so, dass ich denke: „Ach wären sie nur endlich wieder im Kindergarten“, was ja doch einige Kita-Eltern zu denken scheinen, wenn die Ferien „zu lang“ werden.

Kindergartenfrei in der Praxis – ich schreibe ein Buch darüber!

Da ich unseren Alltag momentan als so schön und bereichernd empfinde und mich rundum wohl mit dem kindergartenfreien Leben fühle, habe ich beschlossen, meine Erfahrungen in Form eines E-Books weiterzugeben. Ich finde, es existieren noch viel zu viele Vorurteile gegenüber einem Familienalltag ohne Kindergarten oder Kita. Und es gibt doch einige Eltern, die schon bei der Eingewöhnung ihrer Kinder frustriert sind. Die aber keinen alternativen Weg für sich sehen, weil der Kindergarten laut Gesellschaft oder Umfeld ja schon beinahe als Pflicht erscheint.

Seit einiger Zeit bin ich daher fleißig am Tippen. Außerdem habe ich einige andere Mütter gefunden, die mein Buch mit einem Erfahrungsbericht aus ihrem kindergartenfreien Alltag bereichern.

Mein Ratgeber wird gefüllt sein mit direkt anwendbaren Tipps und Impulsen für die Praxis.

Ich möchte damit einerseits Mütter erreichen, die überlegen, in Zukunft kindergartenfrei zu leben, aber noch unsicher sind, was die Umsetzung angeht.

Und zum anderen schreibe ich das Buch für Mütter, die ihre Kinder bereits selbst betreuen, die aber noch Input dazu benötigen, wie sie ihren Alltag optimieren können. (Zum Beispiel durch Vernetzung, Tagesgestaltung, Zeit für sich, Berufstätigkeit etc.)

Ich bin schon ganz aufgeregt und voller Vorfreude!

Update: Mein E-Book ist am 1. März 2018 erschienen. Hier kannst du mehr darüber erfahren!

Ich hoffe, mein kleiner Einblick in unseren Alltag hat dir gefallen und dich inspiriert. In einem dritten Artikel über kindergartenfrei möchte ich demnächst noch näher darauf eingehen, welche vier Säulen für mich die Grundlage für ein entspanntes und glückliches Leben ohne Kindergarten sind.

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Kindergartenfrei in der Praxis: So sieht unser Alltag aus
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7 Gedanken zu „Kindergartenfrei in der Praxis: So sieht unser Alltag aus

  • Pingback:Unser Weg zu einem kindergartenfreien Alltag - Mütterimpulse

  • 2018-03-14 um 23:48
    Permalink

    Hallo Sophie,

    ich finde deine Idee an sich und auch die Erzählungen darüber total spannend.
    Ich bin selbst Mutter zweier Kinder (2 und 1/2 Jahr), wovon das Größere super gern in den Kindergarten geht und auch absolut davon profitiert.
    Wenn sie allerdings mal zuhause ist z.b. wegen Krankheit, funktioniert hier gar nichts mehr und ich frage mich ernsthaft: Wann machst du deinen Haushalt? Ich komme nicht mal zum Essen machen, weil mir die Kinder nur am Rockzipfel hängen.
    Bewundernswert, daß das bei euch funktioniert. Ich hätte das auch gern, aber in der Praxis ist das bei uns absolut nicht durchführbar… Da scheitert es schon beim Anziehen fürs Rausgehen…

    LG Katja

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    • 2018-03-15 um 19:37
      Permalink

      Hallo Katja,
      ich denke es ist eine Frage der Routine. Man findet Wege! 😉 Ich schätze, wenn deine Tochter krank zu Hause ist, dann ist sie schon allein durch das Kranksein anhänglicher, oder? Haushalt mache ich inzwischen eigentlich nur noch mit den Kindern zusammen und versuche sie da, so gut es geht, mit einzubeziehen. Wie mir das genau in der Praxis gelingt, darüber habe ich ja gerade erst ein Buch geschrieben. Das ist schwer, in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Hauptsächlich ist es schätze ich einfach eine Gewohnheitssache. Man wächst in seine Aufgaben rein. 😉 Grüße, Sophie

      Antworten
  • 2018-09-23 um 19:24
    Permalink

    Ich finde den Gedanken zur Kindergartenfreien Zeit sehr interessant und würde es mir auch selbst wünschen.
    Meine Zwillingsjungs sind nun ein Jahr alt und mit 18 Monaten werden sie in den Kindergarten müssen. Und das ist (zumindest hier in Sachsen) schon echter Luxus, dass ich es mir gerade so leisten kann so „lange“ Zuhause zu bleiben.
    Mit vielen befreundeten Mamis hatte ich schon das Thema, aber es stellt sich doch immer wieder herraus, das es finanziell nicht tragbar ist. Der Kredit vom Haus muss bezahlt werden, Essen muss auf den Tisch, Versicherungen und zumindest ein Fahrzeug, damit der Mann auf Arbeit kommt…
    Das Elterngeld reicht nicht aus da es ja doch recht wenig ist je länger man daheim bleibt. Der Mann als dann nahezu Alleinverdiener kann die Kosten nicht auf Dauer alleine tragen.
    So werde ich, wie viele andere Mamis, unsere Kinder in den Kindergarten geben müssen um wieder arbeiten zu gehen.
    Ich beneide jeden der es sich leisten kann und finde die Entscheidung gegen den Kindergarten und für eine Bindungsstarke Erziehung richtig.
    Leider ist es bei den wenigsten möglich, auch wenn es sich seeehr viele wünschen.
    Liebe grüße
    Denise mit ihren Zwillingsjungs

    Antworten
    • 2018-09-26 um 16:17
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      Liebe Denise, danke für deinen Kommentar.
      Schade, dass du für euch keine Möglichkeit siehst, deine Kinder selbst zu betreuen, obwohl es dein Wunsch ist.
      Ich weiß, dass die Finanzen bei vielen Familien der Grund sind, warum kindergartenfrei scheinbar nicht geht. Allerdings sehe ich auch bei vielen Familien, die ihre Kinder selbst betreuen, dass in der Praxis nicht unbedingt mehr Geld da ist, als bei anderen Familien. Nur ist die Priorität Selbstbetreuung dann hoch genug, sodass die Familie trotzdem einen Weg findet. Es kann sein, dass dann eben kein Eigenheim drin ist, oder kein zweites Auto, kein großer Urlaub usw. ja. Das muss halt jede Familie für sich überlegen.
      Außerdem gibt es viele Mütter, die trotzdem Geld verdienen, auch wenn die Kinder kitafrei leben. Vielleicht magst du ja diesen Artikel mal lesen: Selbstbetreuung und Geld verdienen? Wer will, findet Wege! Jenniffer stellt in ihrem Buch die Geschichten von 15 Müttern vor, die trotz kitafrei berufstätig sind.
      Ich wünsche euch alles Gute! Deine Sophie

      Antworten
  • 2018-10-06 um 22:27
    Permalink

    Ich finde es sehr gut, wenn man es schafft, die Kids zu Hause (stimmt ja so gar nicht mal) zu lassen, wenn es mit kiga nicht klappt.
    Meine Große ist seit einem Jahr in einem kirchlichen kiga (davor war sie in der Krippe – die wünsche ich uns täglich zurück – die und die Erzieher waren klasse)… Seit dem überlege ich in alle Richtungen (kiga Wechsel). Leider sind alle anderen kigas auch nicht gerade ne Alternative. Zudem habe ich Bedenken bei einer Kündigung den Hortplatz (Zukunftsüberlegung) zu verspielen… Zu Haus ist keine Option aus verschiedenen Gründen… So sind wir alle gezwungen das weiter zu leben. Mir graut es davor, wenn die Kleine nächstes Jahr die Kita verlassen u d in den selben kiga muß. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass es noch solche kigas heutzutage gibt (nach fast alter Schule).
    Doch mit Job und Kids, Erzieher als auch kiga-Platz Mangel ist man quasi gezwungen. Eine Zeit lang geht es ganz gut – Doch immer kommen Zweifel auf, ob ich tatenlos zusehe (wobei ich nun im Elternbeirat neu bin), wie unser Kind in Form gepresst wird.

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  • 2018-10-25 um 21:30
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    Als ich vor etwas mehr, als einem Jahr, wieder zu arbeiten (TZ als Lehrerin)begann, war meine Tochter 14 Monate. Einige Monate vorher hatten wir sie in einer privaten Krippe angemeldet. Je näher der Eingewöhnungstermin rückte, um so mehr Bauchschmerzen bekam ich. Umso glücklicher war ich, als sich meine Schwiegermutter bereit erklärte, aufzupassen, wenn mein Mann und ich arbeiteten. Die beste Entscheidung und ich stimme dir voll zu, dass es ihrer Entwicklung nur gut getan hat. Nun ist meine Tochter 27 Monate und geht seit zwei Monaten, zwei Vormittage, für 3 Std in einen Waldvorkindergarten. Ihr geht es wirklich gut darin. Ablaufdatum ist jedoch nächstes Jahr, wenn sie drei wird und eine echte Betreuung ist das mit 6std die Woche ja auch nicht. Die Suche nach einem für uns passenden Kiga Platz beginnt. Nicht leicht mit Ansprüchen, die den deinen ähneln. Oma kann jedoch auch bald nicht mehr mit dem kleinen Energiebündel mithalten. Wie soll Kigafrei nur als „normale“ Berufstätige funktionieren? Ich bekomme schon jetzt Bauchschmerzen, weil ich meiner Tochter so gerne weiterhin die individuelle, freie Betreuung in der Familie gönnen möchte, es aber absolut nicht vereinbar mit unseren Berufen ist.

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